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Sportpsychologie : Keine Angst vor der Seelenkunde

  • -Aktualisiert am

Auch Dortmunds Lukasz Piszczek, hier im Spiel gegen Schalke am 27. 9. 2014, hatte im Verlauf seiner Karriere mit Verletzungen zu kämpfen. Bild: Imago

Immer mehr Athleten arbeiten mit Sportpsychologen. Auch wenn sie völlig gesund sind.

          Für den Dortmunder Fußballer Ilkay Gündogan dauerte es volle 434 Tage bis zum Comeback. Und Gündogan ist nur einer von zahlreichen Sportlern, die aufgrund von Verletzungen lange Zeit ausfallen, wodurch ihre Mannschaft erheblich geschwächt wird – auch sein derzeit kriselnder Verein Borussia Dortmund kann davon ein Lied singen.

          Immerhin: Die meisten Spieler laufen irgendwann wieder auf, wenn sich der Körper erholt hat. Allerdings kommt es neben physischen Beeinträchtigungen in der Folge häufig auch zu psychischen. Während der Reha kann man dem Sport nicht mehr nachgehen, der Alltag bricht weg. Dazu kommt die Angst, später nicht mehr so gut zu sein wie vorher. Der Stammplatz ist in Gefahr, manchmal kauft der Verein schon wenige Tage nach der Verletzung einen neuen Spieler.

          Besonders groß ist die psychische Belastung, wenn sich Sportler nach einer auskurierten Verletzung erneut verletzen. Wer gerade ein mehrmonatiges Reha-Programm durchlief und endlich zurück ist, den trifft eine Blessur umso härter. So riss sich der Dortmunder Marco Reus am 7. September das Außenband im Sprunggelenk, nachdem er erst wenige Tage zuvor auf den Rasen zurückgekehrt war, nach einer früheren Verletzung, die ihn sogar die WM-Teilnahme gekostet hatte.

          Alles außer Burnout und Depression

          Weil niemand das so einfach wegsteckt, sind Fachleute gefragt – die Sportpsychologen. Dabei fallen schwere Beeinträchtigungen wie Burnout und Depressionen eigentlich gar nicht in deren Bereich. „Es ist schon meine Aufgabe, so etwas zu erkennen“, sagt Jan Mayer, Sportpsychologe der TSG Hoffenheim, „aber wenn ich sehe, dass etwas in Schieflage gerät, habe ich mein Netzwerk und rufe die therapeutischen Kollegen an.“ Man könne sich das, sagt Mayer, so vorstellen wie einen Hausarzt, der einen Patienten mit Kreuzbandriss nicht selbst behandele, sondern an den Spezialisten verweise.

          Mayer betreut Sportler während ihrer Reha. Dabei wird etwa dasjenige mental trainiert, was die Mannschaftskollegen real üben: „Der Sportler soll im Kopf immer wieder die Situationen, die taktischen Aufgaben durchspielen“, sagt Mayer. Auch reine Bewegungsabläufe werden imaginiert, vor allem die des defekten Körperteils, um die Heilung zu beschleunigen.

          Natürlich ist mentales Training nicht so effektiv wie tatsächliches. Aber es bietet sich an, wenn nicht körperlich trainiert werden kann. Der Sportler verliert so nicht den Anschluss. Außerdem steigt die Motivation mit dem Bewusstsein, dass man trotz Verletzung aktiv am Comeback arbeitet.

          Kinder beim Sportpsychologen? Aber sicher

          Solche Techniken müssen eingeübt werden, damit man sie anwenden kann, am besten schon früh. Deshalb steht Sportpsychologie etwa in Brandenburg an den vier Eliteschulen des Sports von der siebten Klasse an auf dem Lehrplan. „Sie soll nicht erst zum Einsatz kommen, wenn der Karren schon verfahren ist“, sagt Ralf Brand, Professor für Sportpsychologie in Potsdam. Außerdem lernen die Kinder dabei ganz entspannt, dass es neben Trainern, Ärzten, Physiotherapeuten oder Ernährungsberatern eben auch Sportpsychologen als normalen Bestandteil einer Sportmannschaft gebe. „Sie sollen wissen“, sagt Brand, „dass es jemanden gibt, an den sie sich wenden können, wenn Probleme auftreten.“

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