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Milgram-Experiment wiederholt : Der Autorität noch immer hörig

  • Aktualisiert am

Die Generatoratrappe, die Milgram bei seinen Experimenten benutzte Bild:

Auch heute noch lassen sich Menschen von einer Autoritätsperson zu brutalen Taten verleiten. Das zeigt eine Wiederholung des bekannten Milgram-Experiments: Die Probanden waren bereit, anderen Menschen Stromstöße zu geben, selbst wenn diese über Schmerzen klagten.

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          Auch heute noch lassen sich Menschen von einer Autoritätsperson zu brutalen Taten verleiten. Das zeigt die Wiederholung des bekannten Milgram-Experiments durch einen amerikanischen Psychologen. Er forderte 70 Probanden im Alter zwischen 20 und 81 Jahren dazu auf, einem vermeintlichen anderen Experimentteilnehmer Stromstöße zu geben, wenn dieser eine Aufgabe nicht erfüllen konnte. Die vermeintlich angelegte Spannung steigerte sich von Frage zu Frage.

          Jerry Burger von der Santa Clara University in Kalifornien wiederholte damit Teile des berühmten Experimentes von Stanley Milgram aus dem Jahr 1974. Ergebnis: Im historischen wie im aktuellen Experiment drehten weit mehr als zwei Drittel der Probanden die Spannung über 150 Volt hinaus, obwohl die Lernenden vehement protestierten und mit dem Experiment aufhören wollten.

          Burger beschreibt sein Ergebnis im Journal „American Psychologist“ (Bd. 64, Nr. 1). Die Teilnehmer wurden demnach über Zeitungsanzeigen, Faltblätter oder online gesucht. Ihnen wurden für zwei 45-Minuten-Experimente insgesamt 50 Dollar (35 Euro) versprochen. Der Leiter des Experiments erläuterte ihnen, dass die Auswirkung einer Strafe auf das Lernen untersucht werden solle. Dem Probanden wurde stets die Rolle des Lehrers zugewiesen. Der „Schüler“ sollte sich 25 Wortpaare (etwa: kräftig - Arm) merken und wurde später vermeintlich mit einem Stromstoß bestraft, wenn er ein Wort nicht zuordnen konnte. Tatsächlich war der „Schüler“ jedoch eingeweiht und bekam die Stromstöße nicht wirklich zu spüren.

          Stanley Milgram (1933 - 1984)

          „Lass mich hier raus, bitte

          Vor Beginn des Experiments sagte der Leiter, die Elektroschocks seien zwar schmerzvoll, aber ungefährlich. Er gab den Probanden exakte Anweisung, nach jeder falschen Antwort den Schock-Generator zu bedienen und die Spannung zu erhöhen. Den Probanden wurde vor dem Experiment zudem mindestens dreimal gesagt, dass sie zwischendurch aufhören könnten, und dennoch die 50 Dollar (35 Euro) Aufwandsentschädigung erhalten würden. Immer wenn der Proband während des Experiments dann jedoch aufhören wollte, forderte der Leiter ihn dazu auf weiterzumachen.

          Bei 75 Volt stöhnten die „Schüler“ auf, bei 150 Volt baten sie aufzuhören: „Lass mich hier raus, bitte. Mein Herz beginnt, mich zu plagen.“ Dennoch wollten 70 Prozent der Probanden den Versuch weiterführen. Im Gegensatz zu Milgram stoppte Burger das Experiment jedoch, wenn die angelegte Spannung 150 Volt erreicht hatte.

          Vergleichbar oder nicht?

          Milgram hatte 1974 seine Probanden gebeten, die Spannung auf bis zu 450 Volt zu steigern. Bei 150 Volt schrien die „Schüler“ zum ersten Mal auf. 82,5 Prozent seiner Probanden erhöhten die Spannung dennoch. Von diesen Probanden steigerten schließlich 79 Prozent die Spannung bis zum Anschlag bei 450 Volt, obwohl die Lernenden zunächst weiter schrien und bei 330 Volt völlig verstummten. Beim Milgram-Versuch forderte einer der leitenden Experimentatoren die Probanden auf, immer weiter zu fragen. Ein anderer Leiter äußerte Zweifel und bat den Probanden aufzuhören. Milgram wiederholte sein Experiment in vielen verschiedenen Versionen und Kulturen.

          In Burgers aktuellem Experiment wollten 70 Prozent der Probanden weiter als 150 Volt gehen, bei Milgram waren es 82,5 Prozent. Der Unterschied ist nach Angaben der Fachzeitschrift so gering, dass beide Ergebnisse statistisch vergleichbar seien. Einige Psychologen halten die beiden Studien dennoch nicht für vergleichbar, da die Versuchsanordnung zu verschieden sei.

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