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Menschheitsgeschichte : Weniger Genvielfalt jenseits von Afrika

  • -Aktualisiert am

Einst waren wir alle Afrikaner Bild: AFP

So genau wie nie zuvor haben Forscher jetzt im Buch des Lebens gelesen. Bei den Untersuchungen an Menschen verschiedenster Herkunft fanden sie bei Völkern des Schwarzen Kontinents besonders viele Variationen im Erbgut.

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          Genomforscher haben ein neues Kapitel im Buch des Lebens aufgeschlagen. Aufgrund der bislang genauesten Genomanalysen und der Anwendung neuer Computerprogramme können sie sich nun ein Bild davon machen, wie groß die Unterschiede zwischen verschiedenen Populationen des Menschen und auch innerhalb eines Volkes mitunter sind. Man kann nun bei den einzelnen Populationen viel gezielter als bisher nach erblichen Veranlagungen suchen, die zum Beispiel den Ausbruch bestimmter regional gehäuft auftretender Krankheiten begünstigen. Das dürfte nicht zuletzt helfen, die Zusammenhänge zwischen Umwelt und Erbe bei verbreiteten Leiden besser zu verstehen.

          Drei Verfahren haben die Forscher angewandt, um die Variationen im menschlichen Genom gleichsam unter die Lupe zu nehmen. Zum einen ermittelten sie die Zahl und Art der häufigen Basenpaaraustausche, der sogenannten Single Nucleotide Polymorphisms (SNPs). Diese punktförmigen Variationen kommen Druckfehlern gleich, die einen einzelnen Buchstaben betreffen. Der zweite Ansatz zielte darauf, Abweichungen in bestimmten Informationseinheiten wie den Genen zu identifizieren. Diese sogenannten Haplotyp-Varianten entsprechen einer Veränderung in einem Wort. Drittens haben die Forscher auch nach Variationen in der Anzahl der Exemplare definierter Genomabschnitte, sogenannten Kopiezahl-Variationen (Copy Number Variations, CNVs), gesucht. Diese kann man mit dem Zufügen beziehungsweise dem Entfernen eines ganzen Satzes oder gar einer ganzen Seite im Text des Lebens vergleichen.

          Der Ursprung der Menschheit liegt in Afrika

          Drei amerikanische Arbeitsgruppen haben die Ergebnisse ihrer Mammutanalysen kürzlich in den Zeitschriften „Nature“ und „Science“ vorgestellt. Sie bestätigen die vor einiger Zeit von Paläoanthropologen und Molekularanthropologen aufgestellte Hypothese, dass der Ursprung der Menschheit in Afrika liegt. Die neuen Untersuchungen haben aber auch etliche Überraschungen zutage gefördert. Ein Beispiel dafür sind die Ergebnisse der Arbeitsgruppe um Carlos Bustamante von der Cornell University in Ithaca (New York).

          Die Forscher haben die punktuellen Unterschiede in den Genomen von zwanzig Amerikanern europäischer Abstammung mit denen von fünfzehn Amerikanern afrikanischer Abstammung verglichen. Die komplexen Analysen, in denen auch die Qualität der Basenaustausche berücksichtigt wurde - etwa ob sie die Funktion eines Proteins verändern oder nicht -, wurden durch einen speziellen Algorithmus (“PolyPhen“) unterstützt, den Steffen Schmidt vom Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen erarbeitet hat.

          Ahnen der Europäer könnten Inzucht betrieben haben

          Die Forschergruppe fand heraus, dass bei den afrikanischen Amerikanern punktuelle Unterschiede im Genom deutlich häufiger sind als bei den europäischen Amerikanern. Bei Letzteren fanden sich dagegen öfter als bei den aus Afrika stammenden Amerikanern potentiell nachteilige Gene, die die Funktion eines Proteins möglicherweise verändern (“Nature“, Bd. 451, S. 994). Die Wissenschaftler bieten auch eine Erklärung dafür an, dass derartige - reinerbige - Gene bei den Europäern so häufig sind: Möglicherweise seien die Ahnen der europäischen Völker in kleinen Gruppen aus Afrika ausgewandert und hätten untereinander Nachkommen gezeugt, somit zunächst eine Art Inzucht betrieben.

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