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Medizin : Der neue Atlas des Geistes

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Der Schnitt durchs Gehirn zeigt verschiedene Zonen mit Aktivität Bild: Institut für Medizin, Forschungszentrum Jülich

Moderne Verfahren wie die Kernspintomographie liefern Bilder vom aktiven Gehirn. Wer sie zusammensetzt, stößt auf immer neue Geheimnisse.

          Moderne Verfahren wie die Kernspintomographie liefern Bilder vom aktiven Gehirn. Wer sie zusammensetzt, stößt auf immer neue Geheimnisse.

          Lesen Sie den nächsten Satz, und denken Sie dabei über folgende Frage nach: Welche Aufgabe ist für unser Gehirn komplizierter zu lösen - über das Gelesene nachzudenken oder einen Apfel von einem Obstbaum zu pflücken? Die meisten dürften intuitiv den Philosophen zustimmen. Für die sind es die höheren geistigen Fähigkeiten, die dem Gehirn die eigentliche Neuroakrobatik abverlangen. "Doch wer sagt eigentlich, daß Denken in der Sprache des Gehirns einer komplexeren Codierung bedarf als das Greifen?" fragt Hirnforscher Karl Zilles vom Institut für Medizin am Großforschungszentrum Jülich. Immerhin müsse das Gehirn beim Pflücken eines Apfels integrative Meisterleistungen vollbringen. Zunächst erkennt das Sehzentrum den Apfel am Baum und visiert ihn an. Anschließend wird der muskuläre Bewegungsablauf räumlich geplant, bis schließlich die Fingermuskeln so orientiert sind, daß sie zielsicher zugreifen. Wo - und vor allem: wie genau - solche ausgeklügelten Fertigkeiten in der Großhirnrinde gesteuert werden, ist bis heute trotz aller Fortschritte der Hirnforschung rätselhaft geblieben.

          Eigene Logik im Gehirn

          Klar ist nur: So wie ein Computer beim Addieren mit Bits und Bytes statt mit den uns vertrauten Zahlen rechnet, so arbeitet auch das Gehirn in seiner eigenen Logik. Zumindest glaubt Zilles das. "Und diese Maschinensprache des Gehirns verstehen wir bisher nicht." Der Anatom vermutet, daß es dem Gehirn auf der neuronalen Arbeitsebene "völlig Wurscht" sei, ob es gerade "ein nettes Sozialverhalten codiert, einen klugen Gedanken knüpft oder zum Apfel greift".

          Sonderlich scharf sind die Bilder des Kernspintomographen nicht

          Das Rätsel des Geistes - es ist ein unerschöpfliches Thema. Zilles nähert sich der grauen Masse unter unserem Schädeldach mit einer simplen Fragestellung: "Mich interessieren die engen Beziehungen zwischen Struktur und Funktion." Schon Leonardo da Vinci habe seine imposanten Studien zum Körper nicht betrieben, um Anatom zu werden. "Der wollte verstehen, warum Vögel fliegen und Menschen greifen können."

          „Der Aristokrat unter den Körperzellen“

          Spätere Anatomen faszinierte die ungeheuere Formenvielfalt der Nervenzellen. So studierte der Künstler und Zellbiologe Santiago Ramón y Cajal als erster das beim Menschen im Vergleich zu Tieren besonders stark ausgebildete Großhirn und dichtete: "Aristokrat unter den Körperstrukturen, mit riesigen Armen, die sich wie die Fühlarme eines Oktopusses zu den Provinzen an der Grenze zur äußeren Welt ausstrecken das ist das Neuron."

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