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Die Assel : Landkrebs mit Löwenmut

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Asseln waren ursprünglich Wassertiere

Die Forschung an Asseln boomt. Nicht nur die an im Wasser lebenden Arten, auch für ihre Verwandten an Land interessiert sich die Wissenschaft zunehmend. Denn die kleinen Krebse bringen alles mit, was ein guter Modellorganismus braucht: Sie haben keine großen Ansprüche an ihren Käfig, sie bekommen schnell viele Kinder – und sie sind immer wieder für eine Überraschung gut. Die Gliederfüßer-Ordnung der Isopoda umfasst rund 8000 Arten, von denen man weiß. Manche sind mit bloßem Auge kaum zu erkennen, andere, wie die in der Tiefsee beheimatete Riesenassel, sind so groß wie ein Menschenbaby. Riesenasseln sollen in großer Zahl den Meeresboden in Pazifik und Atlantik besiedeln und dort alles entsorgen, was nach unten fällt. Von toten Algen bis zu Wal-Kadavern.

Ursprünglich lebten alle Asseln im Wasser. Dass sich heute etwa die Hälfte der Arten an Land findet, ist möglich, weil sie das Wasser mitgenommen haben. Auch Landasseln atmen nämlich mit Kiemen. Allerdings sind ihre in einem mit dachziegelartigen Platten geschützten Wassersack am Hinterleib untergebracht. Durch Öffnungen und ein Schlauchsystem in den Beinen füllen die Landasseln Wasser nach. Die bekannteste Art, die heute weltweit verbreitete Kellerassel, ist besonders effektiv bei der Wassergewinnung für die Atmung. Sie nutzt zusätzlich ihren Harn, den sie an einer Kopfdrüse ausscheidet und über eine Art Aquädukt nach hinten laufen lässt. Dabei verdunstet das enthaltene Ammoniak, und Sauerstoff aus der Luft kommt dazu.

Im Garten leben Kellerasseln überall dort, wo es schön feucht ist. Unter Steinen, im Komposthaufen, zwischen den Leisten von Gartenmöbeln. Sie lieben es, auf altem Holz herumzukauen. In ein paar Jahren bekommen sie so einen ganzen Tisch klein. Aus der Nähe betrachtet, kann man die Tiere trotzdem richtig liebgewinnen. Da ist zum Beispiel die Sache mit dem Brustbeutel: Die Weibchen haben zwei Klappen unter ihrer Brust, unter der sie erst ihre Eier und dann die frisch geschlüpften Nachkommen verstecken, genau wie Hipstermütter ihre Babys im Tragetuch. Hebt man einen Stein im Garten hoch, dann kann man die kleinen Familien kuscheln sehen. Die heller gefärbten Kinder, die dem Brustbeutel entwachsen sind, turnen auf den Müttern herum. Die Kinderstube dauert eine Weile. 14 Mal muss sich eine Assel häuten, bis sie erwachsen, also geschlechtsreif ist.

Es ist nicht überliefert, was den Pariser Entomologen Pierre André Latreille 1804 ritt, der die Kellerassel ausgerechnet Porcellio scaber taufte, schmutziges Schweinchen. Die Tiere wühlen sich zwar durch allen möglichen Dreck. Aber sie verwandeln ihn bei der Passage durch ihren Darm in angenehm duftenden Humus. Und auch dank der Aquädukte auf ihrem Panzer sind sie außen immer adrett poliert.

Gifte aller Art stecken sie locker weg

Seit etwa zehn Jahren häufen sich die wissenschaftlichen Studien über Landasseln. Die Idee war ursprünglich, dass sie schnelle Hinweise auf Umweltprobleme geben könnten. Normalerweise müssen Ökotoxikologen großen Aufwand betreiben, um die Qualität eines Boden zu begutachten. Sie müssen dazu ein Netz aus Proben nehmen, dicht genug, damit zufällige Ansammlungen oder Verdünnungen keine Rolle spielen. Dann gilt es, die Proben auszuwerten und dabei nach den richtigen aus einer Unzahl möglicher Stoffe zu suchen und Stoffwechselraten abzuschätzen. Mit den Asseln dagegen, so dachten sie, würde der Blick unter ein paar Steine reichen. Denn der Theorie nach müssten die Abfallverwerter des Ökosystems die Ersten sein, die sichtbare gesundheitliche Probleme bekommen.

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