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Künstliche Befruchtung : Ein Kind ist genug

  • -Aktualisiert am

Injektion einer Samenzelle Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Im Hinblick auf die Gesundheitsrisiken für Mutter und Kind ist die Ein-Kind-Schwangerschaft nach künstlicher Befruchtung ohne Zweifel jeder Mehrlingsschwangerschaft vorzuziehen. Nur wissen die betroffenen Paare meist wenig darüber.

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          Die Gebärmutter ist darauf angelegt, nur ein Kind pro Schwangerschaft heranwachsen zu lassen. Deshalb kommen nach natürlicher Zeugung Zwillinge und Mehrlinge höchst selten vor. Außerdem wird in nahezu einem Drittel aller ursprünglichen Zwillingsschwangerschaften schließlich doch nur ein einziges Kind geboren. Einer der Embryonen stirbt in solchen Fällen im Laufe der Schwangerschaft aus bislang unerfindlichen Gründen. Er wird dann gewöhnlich in der Gebärmutter aufgelöst, ohne eine Spur von sich zu hinterlassen.

          Allerdings erhöht dies für den Zwilling, der weiterlebt, das Risiko, gesundheitliche Schäden davonzutragen. Das bis heute rätselhafte Phänomen der "verschwindenden Embryonen" sei ein wichtiger Grund, bei einer künstlichen Befruchtung auf die Einpflanzung nur eines einzelnen Embryos in die Gebärmutter hinzuwirken. Diesen Appell formulierte die dänische Ärztin Anja Pinborg auf der 21. Jahrestagung der European Society of Human Reproduction and Embryology, die kürzlich in Kopenhagen stattgefunden hat.

          Das Risiko einer Frühgeburt sinkt drastisch

          Die Arbeitsgruppe um Pinborg am Rigshospitalet der Universität Kopenhagen analysierte die Daten aus elf dänischen Kliniken. Dabei stellte sich heraus, daß von allen Einzelkindern, die nach künstlicher Befruchtung geboren worden waren, gut zehn Prozent aus Schwangerschaften herrührten, bei denen ein Zwillingsembryo spontan verlorengegangen war. Bei diesen Kindern wurden häufiger neurologische Defekte, insbesondere Lähmungen infolge einer Schädigung der Hirnsubstanz, gefunden. Dies trat um so deutlicher zutage, je später im Verlauf der Schwangerschaft der Geschwisterteil umgekommen war. Auch von den zunächst überlebenden Zwillingsembryonen starben mehr, als das der Fall ist, wenn von vornherein nur ein einzelner Embryo nach der In-vitro-Fertilisation übertragen wird.

          Einer weiteren in Kopenhagen vorgestellten Untersuchung zufolge sinkt auch das Risiko einer Frühgeburt drastisch, wenn nur ein Embryo verpflanzt wird. Die Arbeitsgruppe um Diane De Neubourg am Zentrum für Reproduktionsmedizin in Antwerpen verglich 251 Kinder, die aus solchen Schwangerschaften hervorgegangen waren, mit den natürlich gezeugten Kindern eines Geburtsregisters. Zwischen beiden Gruppen gab es keinerlei Unterschiede hinsichtlich Geburtsgewicht und Geburtsalter. Allerdings beobachtete man bei den im Reagenzglas gezeugten Kindern einen deutlich erhöhten Blutdruck. Welche schädlichen Einflüsse hierfür verantwortlich sein könnten, ist noch vollkommen unklar.

          Paare wissen viel zu wenig über Mehrlingsschwangerschaften

          Ohne Zweifel ist die Ein-Kind-Schwangerschaft nach künstlicher Befruchtung im Hinblick auf die Gesundheitsrisiken für Mutter und Kind jeder Mehrlingsschwangerschaft vorzuziehen. Unter den behandelnden Ärzten herrscht hierüber Einigkeit, aber die Paare mit dringendem Kinderwunsch sehen das nicht so. Eine Arbeitsguppe an der Universitätsfrauenklinik in Nijmegen fand heraus, daß die Paare viel zu wenig über die Gesundheitsrisiken von Mehrlingsschwangerschaften wissen. Vor allem dann, wenn der erste Versuch mit der Übertragung nur eines einzigen Embryos fehlgeschlagen ist, wird der Wunsch nach dem Verpflanzen mehrerer befruchteter Eizellen oft übermächtig.

          Dabei haben vor allem jüngere Frauen meist keine geringeren Chancen, schwanger zu werden, wenn sie sich nur einen statt mehrerer Embryonen übertragen lassen. Daher empfehlen viele Fachleute inzwischen, den Transfer eines einzelnen Embryos verbindlich festzuschreiben. Allerdings bedarf es dann auch einheitlicher Regelungen zwischen den verschiedenen Staaten. Was nämlich auch in den Antworten der befragten Paare zutage trat, war die Verlockung zum Behandlungstourismus. Wenn man ihnen in dem einen Land ihre Wünsche nicht erfüllte, fühlten sie sich frei, andernorts Unterstützung zu suchen.

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