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Krankheiten : Malaria-Schutz im Genom?

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Eine Entdeckung amerikanischer Forscher könnte neuartige Medikamente gegen Malaria bescheren. Aber ob der Gentausch, der bei Mäusen funktionierte, bei Menschen auch klappt?

          2 Min.

          Ob eine Person bei einer Infektion mit dem Malariaerreger nur leicht oder lebensbedrohlich erkrankt, hängt unter anderem von seinen Genen ab. Diesen Zusammenhang hat man schon vor vielen Jahren anhand epidemiologischer Beobachtungen erkannt. So leiden Menschen mit einer Sichelzellanämie, die einen bestimmten Gendefekt im Sauerstofftransportmolekül, dem Hämoglobin, aufweisen, zwar an Blutarmut, doch sie widerstehen dem Malariaerreger recht gut.

          Weil der gestörte Sauerstofftransporter in den roten Blutkörperchen verklumpt, kann sich der Parasit in den Blutzellen nicht mehr richtig vermehren. Auch Personen mit einem Fehler in dem Gen für den am Stoffwechsel beteiligten Enzym Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase sind vor dem Malariaparasiten geschützt. Offenbar können aber noch viele weitere Gene die Anfälligkeit für die Malaria beeinflussen. Das geht aus Untersuchungen bei Mäusen hervor, über die Forscher der kanadischen McGill-Universität in Montreal in der Zeitschrift "Nature Genetics" berichteten.

          Den Genen auf der Spur

          Bei der Maus gibt es Stämme, die besonders anfällig für Infektionen mit dem Erreger der Mäusemalaria, Plasmodium chabaudi, sind, und andere, die dem Erreger widerstehen. Um die betreffenden Erbanlagen näher zu charakterisieren, haben Philippe Gros und seine Mitarbeiter einen resistenten Mäusestamm mit einem anfälligen gekreuzt.

          Die Malaria: Vor allem in armen Ländern verbreitet

          Bei den Nachkommen identifizierten sie zunächst drei verschiedene Genorte, welche die Widerstandskraft der Tiere gegenüber dem Malariaerreger stärkten. Alle drei Gene bildeten Komponenten des Immunsystems und trugen offenbar dazu bei, daß der Malariaparasit vom Abwehrsystem eindeutig als fremd erkannt und entsprechend angegriffen wurde. Auch beim Menschen kennt man bereits genetische Besonderheiten, die das Immunsystem betreffen und die sich auf die Anfälligkeit gegenüber der Malaria auswirken.

          Kleiner Wechsel mit großer Wirkung

          Die Forscher spürten aber noch ein weiteres Gen auf, das die Mäuse besonders resistent gegen die Malaria machte. Bei der detaillierten Analyse dieser Erbanlage stellte sich heraus, daß es sich wiederum um ein Stoffwechselgen handelte, das Gen für das Enzym Pyruvat-Kinase. Bei den widerstandsfähigen Tieren war die Erbanlage nur an einer einzigen Stelle verändert: ein Genbaustein war gegen einen anderen ausgetauscht.

          Diese Gestaltsänderung hatte jedoch zur Folge, daß sich der Malariaparasit in den roten Blutkörperchen nur noch wenig zu vermehren vermochte. Den genauen Grund hierfür kennen die Forscher noch nicht. Sie vermuten indessen, daß womöglich mehrere Faktoren zusammenspielen und der Parasit nicht nur schlechter die vermutlich vergleichsweise starren Zellmembranen durchdringen kann, sondern im Innern der roten Blutkörperchen außerdem Stoffwechselbedingungen vorfindet, die ihm nicht behagen.

          Mutationen als Schutz

          Die Forscher wollen nun untersuchen, ob auch in menschlichen Populationen Mutationen im Pyruvat-Kinase-Gen vor der Malaria schützen. Dann wäre eine neue Zielstruktur für die Entwicklung von Malariamitteln gefunden. Jährlich erkranken etwa eine Million Menschen neu an der Malaria, und fast fünfhundert Millionen befinden sich wegen dieses Leidens in Behandlung. Weil viele Erreger mit den üblichen Medikamenten nicht mehr abzutöten sind, werden neue Mittel dringend gebraucht.

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