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Jochen Flasbarth im Interview : „Wir bekommen Frieden auf den Feldern“

Dieses Verbot wird immer wieder mit den Risiken der grünen Gentechnik begründet. Auf welche Erkenntnisse und Studien stützt man sich dabei?

Man kann das Verbot durchaus auch aus sozio-ökonomischen Gründen beschließen. Aus Gründen der regionalen landwirtschaftlichen Strukturen. Ein Verbot wird aber auch künftig nicht ohne Begründung möglich sein. Die Risiken mit der Einzelfallregelung klären zu wollen, führte bisher fast immer zu einem Gutachterstreit, der die Politik nicht aus der Verantwortung lässt. Wie soll man mit unterschiedlichen Risikoeinschätzungen der Wissenschaftler auf der einen Seite und der sehr ablehnenden Haltung der Bevölkerung andererseits umgehen? Am Ende ist es eine politische Frage, die aber nicht in einem völlig luftleeren Raum entschieden werden darf.

Die Biosicherheitsforschung sagt nun aber, dass es allgemein keine besonderen Risiken durch Gentechnik gibt. Kommuniziert die Wissenschaft das so schlecht, dass sie unverstanden bleibt?

Zunächst ist wichtig klar zu machen, dass sich die Ablehnung nur auf die grüne Gentechnik bezieht, nicht auf die rote und nicht auf die weiße Gentechnik. Alles was in geschlossenen Systemen stattfindet, wird anders eingeschätzt. Man muss es noch weiter fassen. Es geht im Grunde um die Aktivitäten in der freien Natur, und das ist keineswegs auf die Gentechnik beschränkt. Der Vorsorgegrundsatz steckt gewissermaßen in den Gründungsgenen dieses Ministeriums. Es gibt gute Gründe, sich an den weitreichenden Vorsorgeschutz zu halten. Wir stellen uns nicht gegen die Forschung, diese hat einen ganz hohen Stellenwert bei uns. Aber die Anbieter von grüner Gentechnik sind Marktschreier ohne Produkte. Sie haben bisher nichts anzubieten. Es gibt keine Erfolgsgeschichte. Die Debatte über kälte- und salzresistente Organismen gibt es seit Beginn des Streits. Mal ganz davon abgesehen, dass man erst über eine Gesamtökobilanz nachdenken müsste, bevor wir aride Gebiete mit trockenresistenten Pflanzen komplett erschließen wollten.

Ziel erreicht: Die Zerstörung von Feldern mit Genpflanzen zeigt Wirkung

Die Gentechnik ist zu abstrakt, um geliebt zu werden?

Wenn wir über konkrete Nutzanwendungen sprechen könnten, wäre die Debatte wahrscheinlich eine ganz andere. Im Moment reden wir aber nur über Heilsversprechen. Wenn wir auf grüne Gentechnik verzichten in Deutschland, verzichten wir auf so gut wie nichts. Aber wir haben dafür große Sicherheit für die Verbraucherinnen und Verbraucher und Frieden auf den Feldern. Das ist ein hohes Gut.

Bedeutet das, dass das Bundesumweltministerium seine Haltung ändert, wenn die Erfolgsgeschichten kommen, wenn der Hunger damit besser bekämpft werden kann?

Das halte ich für Spekulation. Das Argument wird schon lange benutzt, es ist nicht überzeugend. Der Ansatzpunkt, Hunger zu bekämpfen, liegt sicher nicht in der Gentechnik. Dafür müssten etwa die riesigen Ungleichheiten beim Zugang zu Boden oder die gigantischen Lebensmittelverluste beseitigt werden. Hier liegen riesige Potentiale zur Bekämpfung des weltweiten Hungers.

Ist das nationale Anbauverbot also der Anfang vom Ende der grünen Gentechnik in Deutschland?

Ich denke, das Ende hat schon viel früher eingesetzt.  Es ist ein politisches Ende, das mit der letzten großen Koalition begonnen hatte. Damals haben sich die Debatten aus dem grünen Milieu in die Volksparteien hinein ausgebreitet. Und deshalb wird es  auch auf absehbare Zeit keine grüne Gentechnik  in Deutschland geben.

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