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Japanischer Stammzellforscher tot : Selbstmord im Labor

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Yoshiki Sasai am 16. April 2014 äußert sich einer Pressekonferenz zum Stammzellskandal Bild: AFP

Der Koautor einer umstrittenen Stammzellen-Studie hat sich offenbar erhängt. War es die verletzte Ehre?

          Der wegen einer fehlerhaften Studie in die Kritik geratene japanische Stammzellenforscher Yoshiki Sasai hat sich das Leben genommen. Der 52-Jährige habe sich an diesem  Dienstag im Riken-Zentrum für Entwicklungsbiologie in Kobe erhängt, teilte die renommierte Forschungseinrichtung mit. Nach Polizeiangaben wurde Sasai am Morgen von einem Mitarbeiter gefunden und in ein Krankenhaus gebracht. Zwei Stunden später sei offiziell sein Tod festgestellt worden.

          Das japanische Wissenschaftsministerium würdigte Sasai als einen führenden Vertreter der Stammzellenforschung und sprach von einem „großen Verlust“.

          Sasai und sein Schützling, die unter Fälschungsverdacht stehende Haruko Obokata, präsentieren am 28. Januar 2014 am Riken-Institut ihre vermeintlich spektakulären Ergebnisse.

          Der Forscher hinterließ nach Abgaben des Riken-Instituts vier Abschiedsbriefe. Laut einem Bericht des TV-Senders NHK richtete sich eines der Schreiben an seine junge Kollegin Haruko Obokata, die im Zentrum des Eklats um eine umstrittene Studie steht. Obokata reagierte nach Angaben des Riken-Instituts „schockiert“ über den Tod ihres Mentors.

          Gefälschte Reprogrammierung im Säurebad

          Wissenschaftler unter Leitung  der erst 30 Jahre alten Forscherin hatten Anfang des Jahres in der Zeitschrift „Nature“ einen vergleichsweise einfachen Weg beschrieben, wie im Labor künstliches Gewebe erzeugt werden kann. Die Forscher versetzten zunächst Körperzellen von Mäusen in quasi-embryonale sogenannte STAP-Zellen zurück. Aus diesen noch unspezifischen STAP-Zellen lasse sich Material für jeden Zelltyp züchten, hieß es in den beiden Studien. Auf der Stammzellenforschung ruhen große Hoffnungen im Kampf gegen Krankheiten wie Krebs, Alzheimer und andere oft tödliche Leiden.

          Rasch wurden aber Zweifel an den hochgelobten Studien laut. Die Veröffentlichungen wurden schließlich zurückgezogen, nachdem bei einer Untersuchung des Riken-Instituts Unregelmäßigkeiten wie gefälschte Fotos festgestellt worden waren. Sasai wurde daraufhin vorgeworfen, er habe die Arbeit seiner Schülerin nicht ausreichend überwacht. Er entschuldigte sich später. Eine Sprecherin des Riken-Instituts sagte am Dienstag, es sei bekannt gewesen, dass Sasai „psychisch und körperlich erschöpft war“. Die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen hatten ihn nach Angaben von Vertrauten schwer getroffen.

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