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Tierischer Spion : Ein Wal mit Vergangenheit

  • -Aktualisiert am

Anfang November wurden die letzten Belugas aus dem „Walgefängnis“ an der russischen Ostküste befreit. Bild: Imago

Bildet Russland Meeressäugetiere zu Spionen aus? Wenn „Hvladimir“ doch nur reden könnte!

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          Im April tauchte im Hafen der norwegischen Stadt Hammerfest ein Beluga-Wal mit mysteriöser Ausrüstung auf. Neugierig schwamm der Vertreter der Art Delphinapterus leucas in die Nähe von Fischern, als die gerade ihre Netze auswerfen wollten. Später futterte er bereitwillig den Dorsch, den ihm die Männer über die Bootskante reichten: ein reichlich ungewöhnliches Verhalten für einen Wal in freier Wildbahn. Offenbar war er an Menschen gewöhnt. Den Fischern fiel auch ein Geschirr auf, das um den prallen, weißen Leib des Wals gegurtet war.

          Einer der Männer befreite das Tier von den Riemen. „Ausrüstung St. Petersburg“ stand in Englisch auf einer der Schnallen. An den Gurten war eine Vorrichtung angebracht, an der eine Kamera oder ähnliches Gerät befestigt werden konnte. Bald machte ein Video des Meeressäugetiers die Runde, der Beluga wurde dadurch weltbekannt. Der norwegische Rundfunksender NRK gab ihm den Namen „Hvladimir“, eine Wortschöpfung aus dem norwegischen „hval“ für Wal und dem Vornamen des russischen Präsidenten. In dessen Auftrag war der Weißwal angeblich unterwegs: ein Spion der russischen Marine.

          Vor einigen Tagen tauchte ein neues Wal-Video auf: Darin apportiert ebenfalls ein Beluga in norwegischen Gewässern nahe dem Nordpol den Rugbyball eines südafrikanischen Forscherteams. Wie ein gut ausgebildeter Hund eilt der Wal dem Ball hinterher, schnappt ihn sich mit dem Maul und bringt ihn zurück zum Forschungsschiff. Ob es ebenfalls Hvladimir war, ist unklar, aber auch dieser Wal schien nicht zum ersten Mal Menschen getroffen zu haben. „Für einen wilden Beluga wäre das ein ziemlich skurriles Verhalten“, sagt der Meeresbiologe und Autor Karsten Brensing. „Es ist typisch für Tiere, die mal in menschlicher Obhut waren, dass sie auch nach ihrer Freilassung immer wieder die Nähe des Menschen suchen. Sie haben gelernt, dass der Mensch nicht per se gefährlich ist.“

          Spione oder Therapeuten?

          Ob es sich bei Hvladimir tatsächlich um einen militärisch trainierten Spion handelt, lässt sich schwer überprüfen. Im Norden Russlands gibt es mehrere Einrichtungen, die Wale halten oder gehalten haben. Belugas wurden früher zum Beispiel in einem privaten Zentrum als Therapietiere für Kinder mit Behinderungen ausgebildet. In anderen Fällen werden sie von geschäftstüchtigen Walfängern in Becken gehalten, bevor man sie ins Ausland verschifft.

          Die meisten Abnehmer finden lebend gefangene Wale in China. Dort ist in den letzten Jahren ein regelrechter Wal-Boom ausgebrochen. In achtzig chinesischen Ozeanarien sind derzeit Meeressäuger zu sehen, weitere 27 sind im Bau. Einer der größten chinesischen Freizeitparkbetreiber eröffnete vor zwei Jahren ein Orca-Zentrum, um Nachwuchs heranzuziehen. Die meisten der Tiere stammen aus russischen Gewässern. Sie werden im Ochotskischen Meer gefangen und dann nach China verkauft.

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