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Im Gespräch : „Weil sie bei uns bleiben werden“

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Durch Kinder mit einer anderen Muttersprache wird in einer Klasse die Sprachentwicklung aller Kinder gefördert. Sie beginnen dann über Sprache nachzudenken. Außerdem können neue Lernmethoden angewandt werden, etwa das Lernen durch Lehren, bei dem ein Schüler dem anderen hilft. Wenn natürlich die Zahl der Kinder ohne Deutschkenntnisse zu groß wird, funktioniert das nicht mehr.

Wie viele Kinder und Jugendliche gibt es denn an deutschen Schulen, die kein Deutsch sprechen?

Das wissen wir nicht. Wir kennen nur die Zahlen der Kinder, die innerhalb eines Jahres neu zugewandert sind. 2014 waren das fast 100000 Menschen zwischen sechs und achtzehn Jahren, viermal so viele wie 2006. Ihr Anteil an allen Gleichaltrigen betrug im Bundesdurchschnitt 1,02 Prozent. Dazu zählen allerdings auch Kinder aus Österreich oder der Schweiz, die müssen natürlich nicht Deutsch lernen. Das sind aber die wenigsten, der größte Anteil sind aber im Augenblick Flüchtlinge.

Sind die Lehrer auf diese Situation vorbereitet?

In einigen Bundesländern gibt es mittlerweile verpflichtende Module für Lehramtsstudenten, in denen sie für den Bereich Deutsch als Zweitsprache sensibilisiert werden. Dennoch sind sie natürlich nach einem Modul mit ein oder zwei Veranstaltungen nicht in der Lage, ein Förderkonzept zu erstellen. Dafür braucht man speziell ausgebildete Lehrkräfte, die Sprachdiagnosen durchführen und die Lehrer dabei unterstützen, die Kinder in den Unterricht zu integrieren. Wir müssen bei Lehrern aller Fächer ein Bewusstsein für dieses Thema wecken. Damit in einer Schulkonferenz beispielsweise nicht noch darüber diskutiert werden muss, warum Textaufgaben in der Mathematik für ein Kind, das noch nicht gut Deutsch sprechen kann, Hürden darstellen.

Bisher kamen hauptsächlich Kinder aus dem EU-Ausland zu uns. Jetzt sind mehr syrische Kinder dabei. Verändert die verstärkte Zuwanderung aus Krisengebieten die Anforderungen an die Schulen?

Viele der Flüchtlingskinder aus Bürgerkriegsgebieten sind traumatisiert. Wer lange im Bürgerkrieg gelebt hat oder auf der Flucht war, muss sich erst einmal an eine neue Umgebung gewöhnen. Dafür brauchen wir nicht nur Lehrkräfte, sondern auch Sozialarbeiter und Psychologen.

Was ist mit den Eltern? Auch sie sind wahrscheinlich noch nicht in unsere Gesellschaft integriert. Können sie ihre Kinder unterstützen?

Es gibt bereits Modelle, in denen Eltern von Kindergarten- oder Grundschulkindern von anderen Eltern, den sogenannten Paten, betreut werden. Sie lernen dann, wie sie mit ihren Kindern Bilderbücher anschauen, wie sie ihr Kind bei den Hausaufgaben unterstützen können oder wie der Arbeitsplatz zu Hause organisiert sein sollte. Diese Projekte werden sehr gut angenommen.

In Deutschland gab es schon mehrere Einwanderungswellen. Ist die Situation heute anders?

Die erste große Zuwanderungsbewegung gab es als die sogenannten Gastarbeiter in den 1970er Jahren ihre Familien nachholten. Die Kinder haben damals hauptsächlich muttersprachlichen Unterricht erhalten. Man ist davon ausgegangen, dass diese Menschen irgendwann wieder in ihre Heimatländer zurückkehren. Auch in den Neunzigern bei der Fluchtbewegung aus dem ehemaligen Jugoslawien ist man noch von einer vorübergehenden Erscheinung ausgegangen. Heute wissen wir, dass wir die Migranten schnell integrieren müssen und nicht darauf setzen können, dass sie irgendwann wieder zurück gehen. Die politische Einstellung hat sich verändert. Und der Unterricht von Flüchtlingskindern ist zu einer langfristigen Aufgabe geworden.

Die Fragen stellte Laura Burbaum

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