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HPV-Impfung : Vier Fachverbände verteidigen Krebsimpfung

Vier medizinische Fachverbände stärken dem HPV-Pionier und Nobelpreisträger Harald zur Hausen den Rücken Bild: picture-alliance/ dpa

Vier medizinische Fachverbände sind der Kritik an der Krebsimpfung gegen humane Papillom-Viren (HPV) öffentlich entgegengetreten. Neue Statistiken würden zeigen, dass die Impfungen gegen HPV in keinem Zusammenhang mit ungeklärten Todesfällen stünden, wie die Kritiker der Impfung behaupten.

          Das Manifest der 13 Impfkritiker gegen die HPV-Vakzine, das Ende November von Gesundheitswissenschaftlern der Universität Bielefeld verbreitet worden war, zieht weiter unbarmherzig Kreise. Morgen früh werden sich in einer offiziellen Stellungnahme der Bundesverband der Frauenärzte (BVF), die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), die Gesellschaft für Virologie (GfV) und die Deutsche Vereinigung zur Bekämpfung von Viruserkrankungen (DVV) kritisch zu der ihrer Ansicht nach „neuen Kampagne gegen die Krebsimpfung“ äußern. Das gemeinsame Papier liegt der F.A.Z. exklusiv vor.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          In der Stellungnahme stellt man sich kategorisch hinter den HPV-Pionier - und Ehrenmitglied der Virologie-Gesellschaft - Harald zur Hausen, der an diesem Mittwoch in Stockholm den Nobelpreis erhalten wird. Vor allem geht es den Fachgesellschaften aber wohl darum, einer möglicherweise schon eingetretenen Verunsicherung bei Eltern und Jugendlichen offensiv entgegen zu treten. Die HPV-Impfung sei schon vor Monaten „in Misskredit gebracht“ worden, als man zwei bis heute ungeklärte Todesfälle bei jungen Mädchen in Deutschland und Österreich mit der HPV-Impfung in Zusammenhang gebracht habe.

          Keine Verbindung zu ungeklärten Todesursachen

          Die offizielle Statistik seit Einführung der Impfstoffe im Jahr 2006 gehe aber genau in die gegenteilige Richtung. Zu erwarten sei „bei etwa zwei Millionen Impfungen, dass es häufiger zu einer zeitlichen Überschneidung zwischen einer Impfung und einem Todesfall mit ungeklärter Todesursache kommen sollte“. Faktum sei aber, dass nach Angaben des Bundesamtes für Statistik im Jahr 2007 - dem ersten vollständigen Jahr nach der Einführung der Vakzine - 17 Frauen zwischen 15 und 20 Jahren und damit so wenige wie seit neun Jahren nicht mehr an ungeklärten Ursachen zu Tode gekommen seien.

          „Diese Zahlen zeigen eindeutig, dass die Impfungen gegen HPV in keinem Zusammenhang mit ungeklärten Todesfällen stehen. Soviel zur Sicherheit. Was die Wirksamkeit angeht, so zweifeln die Fachgesellschaften „ob sich die selbsternannten Experten mit dem Thema tatsächlich auseinandergesetzt haben“, kritisierte Peter Wutzler, der Präsident der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten. Mit den neuen Vakzinen werde unzweifelhaft „die gefährliche Infektionskette durchbrochen“, die letzten Endes zu Krebs führen kann.

          Handfeste Eskalation

          „Die Autoren kritisieren, dass die Impfung bereits für Mädchen ab 12 Jahren empfohlen ist, 'obwohl nur Daten zur Wirksamkeit für die Gruppe von 15-17-jährigen vorliegen' (Zitat aus dem Manifest). In der Altersgruppe von 12-14 Jahren gibt es aber deshalb keine Daten zur Wirksamkeit gegen die Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses, weil die Mädchen in dieser Altersgruppe nur selten oder gar nicht mit HP-Viren in Kontakt kommen. Es ist ja die Altersphase vor dem ersten Geschlechtsverkehr“, so Professor Nikolaus Müller-Lantzsch, Präsident der Gesellschaft für Virologie.

          Und weiter: „Was die Autoren verschweigen ist aber, dass beide Impfstoffe auch bei Mädchen von 10-14 Jahren getestet wurden und die erzeugten Antikörpertiter in dieser Altersgruppe sogar noch höher waren, als in der Gruppe der älteren Mädchen. Die Empfehlung der Ständigen Impfkommission wird daher von allen HPV-Experten unterstützt.“

          „Anmaßend“ sei es geradezu von den dreizehn Manifest-Unterzeichnern, eine umgehende Überprüfung der Empfehlung zu fordern. Das klingt nicht nach einem besonnenen Austausch der Argumente, sondern nach einer handfesten Eskalation.

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