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Hirnforschung : Wie nächtliche Schatten ...

  • -Aktualisiert am

Diese Rekonstruktion hat einen Zug ins Messianische Bild: Jack Gallant/UC Berkeley

Die Gedanken sind frei, heißt es, und kein anderer Mensch kann sie wissen. Doch bleibt es auch dabei? Mit bildgebenden Verfahren können Hirnforscher schon viel über die Welt im Kopf herausfinden. Aber noch längst nicht alles.

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          Vor zwei Jahren kam heraus, dass der bereits seit zwanzig Jahren wegen Mordes einsitzende Amerikaner Brian Dugan offenbar noch ein weiteres Opfer vergewaltigt und getötet hatte. Nun forderte die Staatsanwaltschaft in Illinois die Todesstrafe. Dugan selbst bekannte sich schuldig. Doch seine Anwälte versuchten trotzdem, das Urteil abzuwenden: Mit Hirnscans wollten sie beweisen, dass ihr Mandant ein Psychopath war und seine Handlungen nicht kontrollieren konnte. Das Gericht ließ sich davon nicht überzeugen. Doch allein die Tatsache, dass Befunde aus der Hirnforschung eine juristische Rolle spielten, bot reichlich Diskussionsstoff.

          Inzwischen preisen zwei Firmen in den Vereinigten Staaten sogar Lügendetektoren auf der Basis der Kernspintomographie an. Das sei die erste und einzige direkte Methode für die Wahrheitsprüfung in der Geschichte der Menschheit, schreibt das Unternehmen „No Lie MRI“ auf seiner Website. Wo aber steht die Neurowissenschaft wirklich?

          Man kann ablesen, ob jemand ein Haus oder ein Gesicht betrachtet

          Im vergangenen September sorgte eine Gruppe aus Berkeley für Aufsehen. Die Forscher hatten drei Probanden Videos vorgespielt und dabei deren Hirnaktivität im Tomographen verfolgt. Aus den Daten konnten sie anschließend tatsächlich einige Filmschnipsel rekonstruieren. Mit Hilfe bestimmter mathematischer Algorithmen war das zuvor schon mit statischen Bildern gelungen. Für den Laien klingt das aufregend. Wer sich jedoch die rekonstruierten Filmchen auf der Labor-Website (http://gallantlab.org/) ansieht, muss feststellen, dass die Technik noch ein recht unscharfes Abbild der Gedankenwelt liefert.

          Filmszenen aus einem Hollywood-Trailer - und was davon übrig bleibt, wenn man die Hirnaktivität des Zuschauers misst und das Gesehene im Computer rekonstruiert Bilderstrecke

          Aber es lässt sich nicht leugnen: Die Neurowissenschaftler haben in jüngster Zeit Fortschritte gemacht. Aus Hirnscanner-Daten können sie zweifelsfrei ablesen, ob jemand ein Haus oder ein Gesicht betrachtet. Auch ist es möglich, anhand der Hirnaktivität zwischen verschiedenen Erinnerungen, Emotionen oder Absichten zu unterscheiden, die eine Person im Kopf hat. „Doch das bedeutet nicht, dass man eine universelle Gedankenlesemaschine bauen kann“, sagt John-Dylan Haynes vom Bernstein Center for Computational Neuroscience in Berlin. Und er räumt ein: „Es ist schwierig, die Begeisterung für dieses Forschungsgebiet rüberzubringen, ohne falsche Vorstellungen zu wecken.“

          Eine unglaubliche Datenmenge

          Was fehlt eigentlich noch, um wirklich Gedanken lesen zu können? Mindestens fünf Baustellen sind noch offen. Der Reihe nach sind das Probleme bei der Auflösung der Hirnscanner, der nötigen Computertechnik, der Komplexität der Analyse-Algorithmen, beim Verständnis der Verarbeitungsprozesse im Gehirn sowie bei der Frage nach der Individualität.

          Kernspintomographen messen die Hirnaktivität nur indirekt über den Sauerstoffgehalt im Blut. Anstatt etwas über einzelne Nervenzellen zu verraten, betrachtet die Technik große Zellverbünde. Detaillierte Gedanken auszulesen würde eine Methode mit wesentlich besserer räumlicher und zeitlicher Auflösung erfordern. „Die ist im Moment nicht einmal am Horizont sichtbar“, sagt Haynes. Die unzureichende Auflösung ist dabei Segen und Fluch zugleich. Zwar limitiert sie die Genauigkeit der Beobachtung, aber sie begrenzt auch die Datenmenge, die die Forscher handhaben müssen. „Wenn wir uns vorstellen, wir wüssten von allen 85 Milliarden Nervenzellen, was sie zu einem bestimmten Zeitpunkt machen, und dasselbe dann hundert Millisekunden später und wieder hundert Millisekunden später - das wäre eine unglaubliche Datenmenge“, sagt der Neurowissenschaftler.

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