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Hirnforschung, was kannst du? : Wir formen unser Gehirn

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Lesen in Blindenschrift: Bei Erblindeten zeigt das Gehirn verschiedene Anpassungsleistungen. Bild: Daniel Pilar

Das Gehirn lernt in sensiblen Phasen - oder es verliert, wenn Entwicklungsschritte ausbleiben Im Vortrag erläuterte die Psychologin Brigitte Röder den Traum von einer Pille, die das Gehirn lebenslang plastisch halten soll. Lesen Sie, oder sehen Sie das Video.

          Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen, die über etwa hundert Billionen Verknüpfungen miteinander kommunizieren und das hervorbringen, was wir als Wahrnehmung (Sehen, Hören, Tasten, Riechen und Schmecken), Denken, Sprache, Motorik, Emotion etc. bezeichnen. Hier muss die Frage gestellt werden, wie es allem Anschein nach ganz mühelos gelingt, dass sich ein menschliches Gehirn während der Entwicklung „richtig“ verdrahtet und solche hochkomplexen Leistungen fast wie selbstverständlich im Alltag erledigt.

          Die Neurowissenschaftlerin Brigitte Röder

          Während bei der Geburt die meisten Nervenzellen (Neurone) im Gehirn vorliegen (nur in wenigen Bereichen des Gehirns, zum Beispiel denen, die entscheidend für die Gedächtnisbildung sind, werden nach der Geburt noch neue Nervenzellen gebildet), kommt es nach der Geburt zu einer explosionsartigen Zunahme der Verbindungen (Synapsen). Dabei entsteht unabhängig von der Umwelt oder spezifischen Erfahrungen ein riesiger Überschuss an Verbindungsstellen zwischen Neuronen. Im Laufe der Entwicklung wird dieses Überangebot an Synapsen in Abhängigkeit von deren Nutzungsgrad wieder abgebaut. Für die Selektion von Verbindungen sind demnach Erfahrungen essentiell. Die sich für die Verarbeitung als nützlich erweisenden Kommunikationsstellen werden weiter verstärkt und differenzieren sich funktionell aus. Für die Gehirnentwicklung sind also Selektion, Wachstum und Differenzierung charakteristische Merkmale. Dabei spielen Erfahrungen, das heißt die Umwelt des heranwachsenden Systems, eine entscheidende Rolle. Diese, so die Annahme, garantieren, dass sich unsere neuronalen Systeme bestmöglich auf die Anforderungen in einer bestimmten Umwelt einstellen.

          Entwicklung seit dem Babyalter

          Die Frage, wie sich das (menschliche) Gehirn und parallel dazu mentale Funktionen (Wahrnehmung, Kognition, Emotion, Persönlichkeit etc.) entwickeln, wird unter anderem mit zwei Untersuchungsansätzen erforscht: Prospektive Studien untersuchen die funktionelle Entwicklung und deren neuronale Korrelate vom Säuglingsalter bis zum Erwachsenenalter. So lässt sich erschließen, welche Veränderung im Gehirn mit welchen funktionellen Fortschritten, etwa dem Erwerb von Wahrnehmungsleistungen, kognitiven oder motorischen Fähigkeiten, einhergeht. Die enormen Fortschritte in nicht-invasiven neurowissenschaftlichen Verfahren, beispielsweise der Messung von Gehirnströmen (Elektroenzephalographie), erlauben es mittlerweile, Hirnfunktionen bei Neugeborenen und Säuglingen zu verfolgen.

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