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Hirnforschung, was kannst du? : Die Schule erzieht junge Menschen, keine Gehirne

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Welche Folgen haben digitale Medien?

Zum Dritten verändert sich unsere Umwelt ständig und es entstehen Anforderungen an die nachfolgenden Generationen, für die es noch keine jahrhundertelangen Erfahrungen gibt. So machen erst seit wenigen Jahren digitale Medien zunehmend einen großen Teil der Arbeitswelt und auch der Erfahrungswelt von Schulkindern aus. Die Hirnforschung hat hier wichtige Hinweise geliefert, dass Kinder nicht nur mit den alt bewährten Methoden, sondern auch mit digitalen Ansätzen zum Beispiel Lese- und Sprachkompetenz erwerben können.

Und die Veränderungen werden weitergehen. Experten rechnen damit, dass Kinder schon in einigen Jahren nicht mehr lernen werden, mit Stiften zu schreiben. Auch das Herumtippen auf immer stärker miniaturisierten Tastaturen dürfte nur noch ein Zwischenschritt sein, bis andere Formen der Kommunikation mit Schrift gefunden sind. Wir wissen nicht, welche dies sein werden, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es etwas sein, worüber wir kein Erfahrungswissen besitzen. Hier hätte die Neuropädagogik die wichtige Aufgabe, Hinweise zu geben, was diese neuen Arbeitsweisen in den Gehirnen der Schüler und - viel wichtiger - in ihrem Handeln und Denken bewirken könnten. Diese Hinweise zu bewerten und in Lehrprogramme umzusetzen ist dann Aufgabe der Schulpädagogik und der Lehrer.

Der Autor forscht an der Universität Frankfurt und ist Geschäftsführer der Hertie-Stiftung, die in den Bereichen Neurowissenschaft und Bildung tätig ist. Er studierte Medizin in Münster, habilitierte sich in Neurophysiologie und wechselte 2000 nach Frankfurt, wo er die neurowissenschaftlichen Hochschulprojekte der Hertie-Stiftung leitet und über die Funktion von Ionenkanälen forscht. Für die allgemeinverständliche Darstellung der Hirnforschung hat er mehrere Bücher wie „Das kleine Buch vom Gehirn“ verfasst.

Unsere Serie: Hirnforschung, was kannst du?

Die Vortragsreihe ist eine Initiative der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Erwartungen an die Neurowissenschaften, aber auch die Versprechungen der Hirnforschung selbst sind hoch. Aber was kann sie wirklich ? In dieser Artikelserie stellen wir die Frage nach Erfolgen und Möglichkeiten, aber auch Rückschlägen und Grenzen der modernen Neurowissenschaften in gesellschaftlich interessierenden Bereichen. Basierend auf einer Vortragsreihe, die in Frankfurt von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung als größtem privaten Förderer der Hirnforschung organisiert wird, publizieren wir in losen Abständen Beiträge führender Hirnforscher zu den Themen Sprache, Technik, Wirtschaft, Krankheit, Kunst, Denken, Musik, Bewusstsein, Gefühle, Schule, Gedächtnis und Psyche.

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