https://www.faz.net/-gwz-ou6p

Hirnforschung : Was ist sinnvoll, was ist wahr?

  • Aktualisiert am

Welche Region arbeitet? Das EEG zeichnet die Hirnströme auf Bild: dpa

Die Funktionsweise des Gehirns fasziniert die Forscher und stellt sie vor immer neue Herausforderungen. Jetzt wurde entdeckt, daß semantisch und sachlich Falsches dieselbe Hirnregion aktiviert.

          1 Min.

          Daß ein Satz, den man hört, Sinn ergibt und daß er wahr ist, sind zwei verschiedene Sachverhalte, die jedoch nicht ohne weiteres voneinander getrennt werden können. Linguisten haben darauf schon vor Jahren aufmerksam gemacht. Nun ist niederländischen Wissenschaftlern auch der neurophysiologische Nachweis gelungen. Peter Hagoort und seine Mitarbeiter von der Universität Nijmegen berichten in der Zeitschrift "Science" (Bd. 304, S. 438), daß die beiden unterschiedlichen Informationen parallel verarbeitet werden, und zwar unter Beteiligung derselben Hirnregion.

          Die Probanden wurden mit insgesamt drei Sätzen konfrontiert. Einer war sachlich und semantisch korrekt, einer widersprach der alltäglichen Erfahrung, und einer ergab keinen Sinn. Dabei zeichneten die Forscher ein Elektroenzephalogramm (EEG) auf. Sie ermittelten daraus sogenannte evozierte Potentiale, welche die Reaktion der beteiligten Neuronen auf einen Reiz wiedergeben, beispielsweise auf einen korrekten Satz oder auf einen, der keinen Sinn ergibt. Auf die sachlich falsche Information reagierten die Probanden genauso wie auf den semantisch unsinnigen Satz: Die Spannungsverläufe in den evozierten Potentialen waren innerhalb der ersten 300 Millisekunden nach dem Reiz identisch und wichen danach nur minimal voneinander ab.

          Gleiche Hirnregion

          Unterschiede bestanden hingegen bei den Frequenzen der jeweiligen EEG-Signale. Nach einem semantisch unsinnigen Satz enthielt das Signal vorwiegend Wellen niedriger Frequenz, sogenannte Theta-Wellen. Auf einen Widerspruch zur Alltagserfahrung reagierten die Gehirne der Probanden mit elektrischen Signalen, die auch sogenannte Gamma-Wellen mit 30 bis 70 Hertz enthielten. Das weist nach Ansicht der Forscher darauf hin, daß das Gehirn speichert, ob eine Fehlinformation sachlicher oder semantischer Art vorliegt.

          Mit der Magnetresonanztomographie untersuchten die Forscher überdies, welche Hirnregionen jeweils aktiv waren. Sowohl nach einer sachlich eindeutig falschen Information als auch nach einem Satz, der keinen Sinn ergab, war die Aktivität des linken unteren präfrontalen Cortex erhöht. Offenbar werden in dieser Hirnregion sowohl sachliche als auch semantische Fehler registriert.

          Weitere Themen

          Warum der Asteroid Bennu Teilchen verliert

          Nasa-Sonde Osiris-Rex : Warum der Asteroid Bennu Teilchen verliert

          Seit rund einem Jahr umkreist die Nasa-Sonde Osiris-Rex den Asteroiden 101955 Bennu. Seitdem zeigte sich, dass Bennu Steinchen ins interplanetare Medium schießt. Möglichen Ursachen sind Forscher nun nachgegangen.

          Nur einmal monatlich verhüten

          Pille-Innovation : Nur einmal monatlich verhüten

          Plastik mit Zukunft? Für die Verhütung könnte ein künstlicher Stern mit Hormonfüllung eine neue Zeit einläuten. Die Pille müsste dann nur einmal monatlich genommen werden – vorausgesetzt die Frauen schlucken das.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.