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Hirnforschung : Die Ungeduld der Teenager

  • Aktualisiert am

Ungeduld ist typisch für Teenager Bild: dpa

Jugendliche sind ungeduldiger als Erwachsene, was stark zu ihrer Impulsivität beiträgt. Wissenschaftler konnten nun Gehirnstrukturen identifizieren, die für das oft riskante Nicht-Warten-können verantwortlich sind.

          Dass Jugendliche ungeduldiger sind als Erwachsene, ließ sich schon in vielen Verhaltensexperimenten nachweisen. Dabei zeigte sich beispielsweise, dass Jugendliche schlecht warten können: Wird ihnen ein größerer Geldbetrag angeboten für den Fall, dass sie sich eine Weile gedulden, nehmen sie dennoch lieber einen kleineren Betrag, den sie sofort bekommen können. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin, der Stanford University und der University of California in Davis belegen nun im Fachjournal „PNAS“, dass sich diese Ungeduld auch in Gehirnstrukturen und -funktionen von Teenagern spiegelt.

          Für die Studie ließen die Forscher fünfzig Probanden - die eine Hälfte weiblich, die andere männlich - im Alter zwischen 8 und 25 Jahren eine Entscheidungsaufgabe lösen. Dabei mussten die Teilnehmer sich entscheiden, ob sie schnell einen kleineren Geldbetrag erhalten oder aber auf einen größeren Betrag länger warten wollten. Die Geldbeträge variierten leicht innerhalb der Gruppe. Die Teilnehmer konnten beispielsweise zehn Dollar sofort oder aber 27 Dollar in vier Wochen bekommen. Während der Entscheidungsaufgabe wurden die Aktivität der bei Entscheidungen aktiven Hirnregionen und deren strukturelle Verbindungen untereinander im Magnetresonanztomographen (MRT) gemessen.

          Belohnung in der Zukunft ist weniger attraktiv

          Die Ergebnisse zeigen, dass es den Teenagern schwer fiel, auf den größeren Betrag zu warten. Die Ursache lieferten die Bilder aus dem MRT: Die beiden Bereiche, die bei Entscheidungen aktiv werden, sind bei Jugendlichen noch nicht so stark miteinander verbunden, wie es bei Erwachsenen der Fall ist. Dabei handelt es sich um den dorsolateralen präfrontalen Kortex – der unter anderem aktiv wird, wenn es um die Zukunftsplanung geht – und das Striatum, das Teil des Belohnungssystems ist. Aufgrund der schwächeren Vernetzung zwischen den Bereichen ist der Einfluss des dorsolateralen präfrontalen Kortex auf das Belohnungssystem  in der Jugend eher gering. Somit sind größere Belohnungen, die in der Zukunft liegen, für Jugendliche weniger attraktiv.

          Hauptsächlich eine stärkere Kontrolle und zunehmende zukunftsorientierte Gedanken sorgten für weniger Ungeduld, wenn Jugendliche zu jungen Erwachsenen heranwachsen, bilanzieren die Autoren. „Es ist nicht so, dass Jugendliche keine Zukunftspläne haben, aber sie sind bei Entscheidungen einfach mehr im Hier und Jetzt“, sagt Wouter van den Bos, Erstautor der Studie und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsbereich „Adaptive Rationalität“ des Berliner Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung. „Die Jugend ist eine Trainingszeit für das Gehirn. Es fällt ihnen zwar schwerer, sich gegen Kurzzeitbelohnungen zu entscheiden, aber es ist machbar.“

          Mit zunehmendem Alter wird die Verbindung zwischen den Gehirnbereichen stärker, wodurch auch die Zukunftsziele bei Entscheidungen wichtiger werden. Jugendliche lernen somit erst im Laufe der Zeit, ihre Ungeduld besser zu kontrollieren und vorausschauender zu agieren. „Trotzdem sollte man Jugendlichen die Entscheidungen nicht komplett abnehmen, denn das Gehirn lernt von den Fehlern. Man kann die Jugendlichen aber immer wieder an ihre Zukunftsziele erinnern“, so van den Bos. Ungeduld sei die zentrale Komponente von Impulsivität, heißt es in der Studie - insofern könnten die Ergebnisse helfen, die Jugendliche besser vor den Folgen von riskantem, impulsivem Verhalten, das in der Adoleszenz häufig ist, zu schützen.

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