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Hirnforschung mit Straftätern : Das Böse beginnt im Gehirn

  • -Aktualisiert am

Ein Häftling in der Todeszelle in einem texanischen Gefängnis Bild: LAIF

Verbrecherhirne haben mit Managerhirnen oft erstaunlich viel gemeinsam. Solche Psychopathen sind auch behandelbar. Es kommt nur darauf an, die Formbarkeit des Geistes zu verstehen.

          Wer glaubt, Gewalt, Mord und Totschlag neurobiologisch besser erklären zu können, als dies Geisteswissenschaften, Philosophie, Sozialwissenschaften und Psychologie und der „Common Sense“ über Jahrhunderte versuchten, irrt. Hirnforschung und Kriminologie benötigen sich gegenseitig. Ich komme darauf zurück.

          Wer glaubt, Gewalt, Schuld und Reue seien ausschließlich vom Hirn determiniert und Willensfreiheit sei daher eine Illusion, irrt. Ich komme auch darauf zurück.

          Wer glaubt, wie mir oft unterstellt wird und ich manchmal selbst zu glauben genötigt werde, dass meine eigene pubertäre Kriminalität das Interesse an unserem Thema motiviert hat, irrt. Ich komme darauf nicht zurück.

          Ursachen aufdecken

          Neurobiologische Ursachenforschung zu den immerwährenden Gewaltorgien des Menschengeschlechts (vor allem der Männer) stellt keine grundsätzlich neuen, aber doch Ursachen aufdeckende Beiträge zu den bisherigen Bemühungen um Aufklärung zur Verfügung. Sie fügen einige wichtige Determinanten zu den bekannten sozialen und genetischen Faktoren hinzu.

          Gewalt erleiden, Opfer zu sein, ist offensichtlich emotional und physiologisch belastend, oft lebenslang traumatisierend, aber häufig nicht gut dokumentierbar, weil durch Tod oder schwere Pathologie (beispielsweise Hirnschaden) der Opfer verunmöglicht. Wohl aber die Hirnzustände und Psychologie des Täters, der Täterin, die ja in der Regel überleben. Allerdings sind wissenschaftliche Daten nur nach, selten oder nie während der Tat verfügbar. Eine Ausnahme sind gestellte sozialpsychologische Experimente wie das von Stanley Milgram aus den sechziger Jahren, aber auch in diesen wegweisenden Untersuchungen wurden die Opfer nicht systematisch beobachtet, weil sie eingeweihte Mitarbeiter des Experimentators waren.

          Das Milgram-Experiment

          Wir haben das Milgram-Experiment in einem Kernspinresonanzscanner nachgestellt und die „Opfer“ und „Täter“ untersucht. Zur Erinnerung: Stanley Milgram erlaubte seinen Versuchspersonen, eine unbekannte Person, die nur durch eine Glasscheibe beobachtbar war, für fehlerhafte Antworten in verschiedenen Denkaufgaben mit zunehmend schmerzhaften und schließlich tödlichen Elektroschocks zu bestrafen. Wenn die Versuchspersonen zögerten, sagte der Versuchsleiter nur: „Machen Sie weiter.“ 60 bis 70 Prozent der Versuchspersonen in allen Nationen, in denen dieses Experiment wiederholt wurde, von Harvard (Stanley Milgrams Heimatuniversität) über Deutschland bis Indien, töten die Personen für ihre vermeintlichen Fehler, angeregt durch die relativ wenig Druck ausübende Autorität eines Versuchsleiters, der zum „Weitermachen“ auffordert. Alles gesunde, unauffällige Bürger. Männliche und weibliche Versuchsteilnehmer gleich, keine Persönlichkeitsunterschiede zwischen Verweigerern und „Tätern“, keine Intelligenzunterschiede, keine psychologischen Störungen bei den Tätern. Kein psychologisches Experiment zur Gewalt, immer wieder mit identischen Resultaten wiederholt, war je aufschlussreicher als dieses.

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