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Heidelberger Goldrausch : Studenten-Weltmeister im Genlabor

Das hat auch damit zu tun, dass das Heidelberger Gentechnik-Projekt quasi ein ingenieurwissenschaftliches Gesamtkunstwerk werden sollte: Goldrückgewinnung aus Elektronikschrott durch  gentechnisch erzeugte „Non-Ribosomal Peptide Synthesis“. Dahinter verbirgt sich ein lange Zeit nahezu unbekannter Lebensprozess:  Kleine Proteinschnipsel werden nicht wie üblich in den Zellen in den Eiweißfabriken, den Ribosomen, erzeugt, sondern völlig unabhängig davon. Bei einigen Bakterien und Pilzen hat man diesen Vorgang beobachtet. Und offenbar sind die entsprechenden Peptide besonders vielseitig und wertvoll: Einige wirken wie Tyrocidine offenbar antibiotisch gegen Erreger, andere dienen als Farbstoffe, als Botenstoffe, als Immun- oder Nervenmodulatoren  oder sogar als Süßstoff. Die Heidelberger Studenten haben in einem Bakterium nun durch geschicktes, bioinformatisch ermitteltes Kombinieren von Genmodulen nun neue „Nicht-Ribosomale Peptide“ (NRP) erzeugt, die vor allem eines können: Goldpartikeln aus Elektronikschrott herauszulösen und zu recyceln. Die Kosten dafür, auch das wurde haarklein ausgerechnet, wären bei der industriellen Anwendung sogar konkurrenzfähig mit der klassischen chemischen Aufarbeitung von Gold - „bei allerdings deutlich weniger Umweltbelastung im Bioreaktor“, wie die Heidelberger Gruppe in ihrer Präsentation am MIT die Juroren wissen ließt.

Das Konzept überzeugte auf der ganzen Linie. Denn quasi nebenbei hat man, was die Preiswürdigkeit der Heidelberger Bioingenieursarbeit noch erheblich gesteigert haben dürfte, ein neuartiges Etikettierungsverfahren für die Mikrobenpeptide entwickelt. Anstelle des bekannten  und bei großen Proteinen verwendbaren Grünfluoreszierenden Proteins GFP, für dessen Entwicklung in der Biotechnik vor fünf Jahren der Chemie-Nobelpreis vergeben worden war, haben die Nachwuchsforscher für ihre NRPs  ein kleines blaues Pigment-Label aus Indigoidine genutzt, das schon  kürzeste Peptidketten zu markieren und damit unter dem Mikroskop sichtbar zu machen erlaubt. Eine Heidelberger Erfindung, für die mittlerweile ein patent angemeldet wurde, und das, so der IGEM-Meistermacher Roland Eils, „für das wir am MIT verschiedentlich auf die Vermarktung angesprochen wurden“.

Update vom 6.11.: Auch das iGEM-Team der Universität Freiburg hat in Boston einen Preis erhalten, der nicht unterschlagen werden sollte: Die 18 Bachelor- und Masterstudenten haben mit ihrem Toolkit uniCAS, einer Art Universalschraubenzieher für die Gene ind er Zelle, den „Best Foundational Advance Award“ gewonnen – den Preis für den besten grundlegenden Fortschritt in der Synthetischen Biologie. Mehr dazu auf der Webseite der Gruppe hier

        

     

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