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Tote Wildvögel mit H5N8 : Vogelgrippe-Epidemie weitet sich aus

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Tote Reiherente am Ufer des Großen Plöner Sees in Plön (Schleswig-Holstein). Bild: dpa

Die Vogelgrippe-Epidemie breitet sich aus, vor allem in Schleswig-Holstein tauchen reihenweise tote Wildvögel auf. Auch am Bodensee sind Geflügelpestopfer entdeckt worden. Im Plöner See gibt es den ersten Sperrbezirk.

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          Die Geflügelpest bei Wildvögeln zieht in Europa immer weitere Kreise. Vor allem Schleswig-Holstein ist betroffen. „Sie breitet sich aus, sie ebbt nicht ab“, sagte Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) am Mittwoch. Bestätigt sind zudem Fälle in Baden-Württemberg. „Von anderen Bundesländern höre ich Gerüchte.“

          Im Norden gibt es nach dem Kreis Plön neue Verdachtsfälle im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Im Kreis Segeberg wurden ebenfalls tote Seevögel geborgen, deren Laborbefunde aber noch ausstehen. An acht Seen im Kreis Plön und zwei Seen im Kreis Segeberg wurden Kadaver geborgen.

          Nach Schleswig-Holstein wurden tote Wildvögel auch aus der Schweiz, Österreich und der Region Bodensee in Baden-Württemberg gemeldet. Laut dem Stuttgarter Agrarministerium wurde dort ebenfalls der Geflügelpest-Erreger H5N8 nachgewiesen. Wie bereits landesweit in Schleswig-Holstein wurde in der Region Bodensee eine Stallpflicht für Geflügel erlassen. In Polen und Ungarn waren zuvor Vogelgrippe-Fälle entdeckt worden, bei denen es sich wohl um die hochansteckende Variante handelt.

          Enten auf dem Bodensee.

          Enten bei Fleckeby (Kreis Rendsburg-Eckernförde) wurden am Mittwoch in ersten Untersuchungen des Landeslabors positiv auf Influenza A Viren des Subtyps H5 getestet. Eine endgültige Feststellung der Geflügelpest durch das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Ostseeinsel Riems (Mecklenburg-Vorpommern) stand noch aus. Dennoch besteht der Verdacht auf Geflügelpest. Die Kreisveterinärbehörde hat mit Vorbereitungen für die Ausweisung von Restriktionsgebieten begonnen. „Eine Ausweitung der Verdachtsgebiete ist nicht überraschend angesichts des massiven Krankheitsgeschehens“, sagte Habeck.

          Während der Erreger bei den Kadavern an den Plöner Seen bereits nachgewiesen wurde, stehen die Laborbefunde zu den Tieren aus dem Kreis Segeberg laut einer Sprecherin des Kreises noch aus. Dort waren am Stocksee tote Blässhühner und am Segeberger See in der Kreisstadt weitere tote Vögel entdeckt worden. Es soll ein Beobachtungsgebiet eingerichtet werden. Der Stocksee liegt nur einen guten Kilometer entfernt vom Großen Plöner See, an dem zuerst Kadaver mit dem Geflügelpest-Erreger H5N8 entdeckt worden waren.

          Der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts, Thomas Mettenleiter.

          Seit dem vergangenen Wochenende wurden nach Angaben des Kreises Plön etwa 240 tote Wildvögel gefunden, von denen die meisten vom Geflügelpest-Erreger H5N8 befallen waren. Um ein Überspringen der Geflügelpest auf Nutztierbestände zu verhindern, legte der Kreis das angeordnete Sperrgebiet drei Kilometer um die Prinzeninsel im Großen Plöner See und eine Beobachtungsgebiet bis zu zehn Kilometer fest. Die Bestände im Sperrbezirk müssen bestallt, regelmäßig klinisch untersucht und beprobt werden. Zudem gelten strenge Hygiene-Regeln. Der Handel sowie Geflügelschauen sind untersagt. An den Bundestraßen B76 und B430 sollen am Donnerstag Schilder „Wildvogelgeflügelpest Sperrbezirk“ aufgestellt werden.

          „Alle arbeiten unter Hochdruck, um die erforderlichen Maßnahmen umzusetzen“, sagte Habeck. „Der Schutz der Geflügelhaltungen hat hohe Priorität.“ Das Ministerium hatte am Dienstag per Erlass an die Kreise die Aufstallung aller Geflügelbestände im Land veranlasst. Dies setzen die Kreise verwaltungsrechtlich in eigener Verantwortung um. Die Stallpflicht gilt bis auf weiteres. „Wir beobachten die Lage sehr genau und überprüfen die Stallpflicht laufend“, sagte Habeck. An diesem Donnerstag will er mit der Geflügelwirtschaft die Lage beraten.

          Verbreiten Möwen die Erreger?

          Um das Risiko der Virus-Ausbreitung unter Wildvögeln zu verringern, appellierte das Ministerium an Jäger, in den betroffenen Gebieten auf die Jagd zu verzichten. Sonst würden die Vögel aufgescheucht und können das Virus leichter verbreiten.

          Die Experten vom FLI schätzen das Risiko einer Ansteckung von Nutzgeflügel mit dem H5N8-Virus als hoch ein. „Wir sehen eine Epidemie in der Wildvogelpopulation“, sagte Instituts-Präsident Thomas C. Mettenleiter. Direkter und indirekter Kontakte zwischen Nutzgeflügel und Wildvögeln müsse unterbunden werden.

          Eine FLI-Expertin wird am Donnerstag in Schleswig-Holstein erwartet, um der Ausbreitung des Virus und den Ursachen auf den Grund zu gehen. „Vor einigen Tagen ist in einem Zoo in Indien das Virus offenbar in seiner jetzigen Form nachgewiesen worden, dann in Ungarn bei einem Schwan sowie in einem Putenbestand und jetzt in Polen, am Bodensee und in Schleswig-Holstein bei Wildvögeln. Wir haben verschiedene Puzzleteile, die wir zusammensetzen müssen“, sagte Mettenleiter.

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