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H1N1-Virus : Und ewig grüßt die Schweinegrippe

Chris Olsen berichtete vor zwei Jahren bereits über 50 dokumentierte Fälle, in denen ein Schweineinfluenzavirus auf den Menschen übergesprungen war, und die CDC zählte zwölf weitere Infektionen. „Wir brauchen eine flächendeckende Kontrolle für Schweineinfluenzaviren“, fordert Olsen, und er ist damit nicht der einzige. Wäre das, was in Amerika passierte, auch in Europa möglich gewesen? Schließlich ist die Schweinedichte in Bakel oder Cloppenburg nicht weniger hoch als in Ohio. In einem Dorf nahe der Stadt Teruel in der spanischen Provinz Aragon war am 8. November 2008 bereits ein Fall von Schweinegrippe bei einer 50 Jahre alten Frau untersucht worden; er sei „nicht unerwartet aufgetreten“, hieß es in einem Bericht in der Fachzeitschrift Eurosurveillance. „Bei der Influenza ist grundsätzlich immer alles denkbar“, sagt Thomas Mettenleiter, Präsident des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit auf der Insel Riems. „Das sind nun mal hochvariable Erreger. Vor allen Dingen können wir noch immer nicht vorhersagen, ob eine neuartige Reassortante das Potential für eine Pandemie besitzt.“

Dass die tierischen Influenzaviren auch in Deutschland immer wieder überspringen, lassen bei Landwirten, Züchtern, Tierärzten und Schlachtern beobachtete Krankheitsfälle seit längerem vermuten, und eine Studie der Jenaer Virologen liefert nun den Beweis: Etwa jeder sechste von 120 Untersuchten hatte Antikörper gegen Schweineinfluenza in seinem Blut, er muss sich also mit mindestens einem der drei kursierenden Virentypen schon einmal angesteckt haben. „Das Risiko einer Infektion steigt mit zunehmenden Alter und Dauer des Berufslebens“, stellt Roland Zell fest. Kein Wunder: 80 Prozent der Schweineherden in Deutschland sind mit Influenzaviren infiziert. „Mitarbeiter der Betriebe stecken das Borstenvieh außerdem oft mit humanen Viren an, doch Grippe ist für die Tiere keine ernsthafte Erkrankung“, erklärt Zell. Schweine leiden an ähnlichen Beschwerden wie der Mensch, etwa trockenem Husten und Fieber.

Pandemie heißt nicht unbedingt Katastrophe

Allerdings verzögert eine symptomatische Appetitlosigkeit die Mast, und bei erkrankten Säuen leidet auch ihre Fortpflanzungsfähigkeit - und das ist ein Problem für die Zucht. Ob das aktuelle Virus schon so weit ist, eine Pandemie auszulösen, weiß niemand. „Die nächsten zwei Wochen werden es zeigen“, sagt Peter Palese von der Mount Sinai School of Medicine in New York. Heutzutage verfolgen Virologen den Erreger mit immer schnelleren Testverfahren und können ihm quasi in Echtzeit bei der Arbeit zusehen. Ob er sich auf seinem Weg auf die Südhalbkugel und wieder zurück ein paar neue Gene besorgt, die ihm eine größere Durchschlagskraft bescheren, als er sie jetzt zu haben scheint - auch das kann niemand sagen.

Und damit zurück zum Influenzaspiel des Albert Osterhaus: Was könnte uns noch blühen? Unternimmt man gar nichts, endet der Siegeszug des „Jabalí“-Virus mit rund zwanzig Millionen Toten und annähernd zwei Milliarden Infizierten. Spielt man seine Karten klug aus, kommt es zwar immer noch zu wirtschaftlichem Desaster, Rücktritten von Gesundheitsministern und unschönen Verteilungskämpfen um Grippeschutzmittel, Atemmasken und Impfstoffe. Doch am Ende heißt es: „Gratulation! Die Pandemie ist unter Kontrolle.“ Zwei Milliarden Dollar ausgegeben, 13 Millionen Ansteckungsfälle und nur 21.000 Tote. Also zehnmal weniger als in einer ganz normalen Grippesaison. Mit anderen Worten: Pandemie heißt nicht unbedingt Katastrophe.

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