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H1N1-Virus : Und ewig grüßt die Schweinegrippe

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So lässt sich auch halbwegs rekonstruieren, was in den nordamerikanischen Schweinebeständen passiert sein könnte. Lange Zeit herrschte dort der H1N1-Typ vor, der nur saisonal auftrat und allenfalls zu Gewichtsverlusten oder einer höheren Ferkelsterblichkeit führte. „Wir bezeichnen ihn als das klassische Schweinegrippevirus, das 1930 erstmals isoliert wurde“, sagt Chris Olsen, Influenza-Experte an der University of Wisconsin. „Es ähnelt dem Erreger der Spanischen Grippe, aber es ist völlig ungeklärt, welches Verwandtschaftsverhältnis dabei im Sinne von 'Who came first?‘ besteht.“ 1998 wurde dann auf einer Farm in North Carolina zum ersten Mal eine sogenannte Triple-Reassortante entdeckt, also ein Virusstamm, der gleichzeitig Elemente der Schweine-, Vogel- und Humaninfluenza besaß.

„Wir wachen auf und haben ein neues Virus, das den Menschen bedroht“

Dieser neue Virustyp, der zunächst die Konstitution H3N2 aufwies, verbreitete sich innerhalb weniger Monate über den gesamten nordamerikanischen Kontinent. Transporte lebender Tiere von Küste zu Küste spielten dabei eine große Rolle; anzunehmen ist, dass auch Ferkel nach Mexiko exportiert wurden. So ging das genetische Kartenspiel immer weiter: Mischformen wie H1N2 entstanden und schließlich ein H1N1-Typ, von dem Olsen glaubt, dass er der unmittelbare Vorläufer des jetzt beim Menschen grassierenden Keims ist. Schon damals warnte der angesehene Influenzaforscher Robert Webster vom St. Jude Children's Research Hospital in Memphis, Tennessee, vor möglichen Konsequenzen: „Das ist ein an Säugetiere angepasster, bunt durcheinandergewürfelter Erreger mit ungewöhnlichen Eigenschaften.“ Doch zu dieser Zeit blickte die Welt wie gebannt nach Asien, wo das Vogelgrippevirus H5N1 erstmals unter den Geflügelbeständen wütete und erste Todesfälle bei Menschen beobachtet wurden. Es gab Anzeichen, dass sich die Virulenz der nordamerikanischen Schweinegrippeviren in den kommenden Jahren noch erhöhte.

Erst im vergangenen Jahr ließ sich das nicht mehr ignorieren. Eine Gruppe von Veterinären unter Leitung von Amy Vincent vom National Animal Disease Center in Ames, Iowa, fasste die Lage mit den Worten zusammen: „Wir sehen eine außerordentliche Dynamik am Werk, mit zahlreichen neuen genetischen Varianten. Die Kontrolle der Schweinegrippe ist zunehmend schwierig geworden.“ Es fehlte auch nicht an Stimmen, die vor dem Sprung auf den Menschen warnten. Solche Fälle hatte es immer wieder gegeben, bespielsweise auf einer Schweineausstellung in Ohio, wo im August 2007 nicht nur zwei Drittel aller Schweine erkrankten, sondern auch zwei Dutzend Besucher. „Eines Tages wachen wir auf und haben ein neues Virus, das nicht nur unsere gesamte Agrarindustrie bedroht, sondern auch den Menschen“, kommentierte Gregory Gray vom Center vor Emerging Infectous Diseases in Iowa solche und ähnliche Reporte.

Etwa jeder sechste war schon einmal angesteckt

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