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Grundkurs in Soziobiologie (6) : Krieg der Keimzellen

  • -Aktualisiert am

Frau und Mann - nur biologisch sind die Unterschiede eindeutig Bild: dpa

Viele glauben, man könne zwischen männlich und weiblich trennscharf unterscheiden. Doch der Versuch, die Geschlechter kategorial typologisieren zu wollen, ist schon im Ansatz falsch. Was ist nun aber weiblich und männlich?

          Geschlecht ist zu allererst eine biologische Kategorie. Deshalb wähnten sich Biologen (und Nicht-Biologen) immer schon wie selbstverständlich legitimiert, auch Geschlechtsunterschiede als biologische Kategorie zu behandeln. Es sind allerdings all diejenigen frustriert worden, die glaubten oder hofften, daß ein Psychogramm genauso trennscharf zwischen männlich und weiblich unterscheide wie eine DNA-Analyse. Einen naturgesetzlich begründeten Katalog, der klipp und klar enthält, was im Denken, Fühlen und Handeln männlich und weiblich definiert, gibt es jedoch nicht und kann es auch gar nicht geben, weil der Versuch, die Geschlechter kategorial typologisieren zu wollen, schon im Ansatz falsch ist.

          Der Biophilosoph Ernst Mayr hat wiederholt darauf hingewiesen, daß die vermutlich größte intellektuelle Hürde, die die Akzeptanz der Darwinischen Theorie und des biologischen Denkens überhaupt erschwert, im typologisierenden, essentialistischen Denken bestehe. Evolution produziere Typen, und was sich nicht eindeutig typologisieren lasse, könne deshalb nicht biologischen Ursprungs sein - so die irrige Annahme. Für viele folgt deshalb aus der Unmöglichkeit, auf der psychologischen und sozialen Ebene zu einer essentialistischen Geschlechterdefinition zu gelangen, die Schlußfolgerung, daß die je vorgefundene kulturelle Differenzierung der Geschlechterrollen nichts mit Biologie zu tun habe.

          Biologische Anpassungsprozesse erkennbar

          Soziobiologen widersprechen hier energisch und behaupten, daß möglicherweise wahrnehmbare Geschlechtsunterschiede unterschiedliche Lebensstrategien und deshalb unterschiedliche Motivationslagen spiegeln und auch je unterschiedliche Machtverhältnisse im ewigen Krieg der Geschlechter, die sehr wohl auf die Evolution des kleinen Unterschieds zurückgehen. Auch die kulturellen Unterschiede, mit der jeweils die Geschlechterrollen interpretiert und polarisiert werden, lassen in den Augen der Soziobiologie biologische Anpassungsprozesse erkennen.

          Unser zweites Gesicht

          Die einschlägige Idee zur biologischen Evolution von Geschlechtsunterschieden stammt von Darwin selbst. Er hatte neben seinem bahnbrechenden Konzept der natürlichen Selektion auch jenes der sexuellen Selektion entwickelt. Ausgangspunkt war die Beobachtung, daß Lebewesen, die gleich gut an die ökologischen Bedingungen ihrer Umwelt angepaßt sind, sich gleichwohl in ihrer genetischen Fitness unterscheiden können - je nachdem, wie erfolgreich sie die Ressourcen, die jeweils das andere Geschlecht vorhält, für die eigene Fortpflanzung einzuwerben und zu nutzen in der Lage sind.

          Revitalisierung von Darwins Idee

          Männliche Konkurrenz einschließlich der Prachtgefieder und anderer Show-Merkmale ebenso wie weibliches Partnerwahlverhalten galten Darwin als Schlüsselanpassungen, die sich im Zuge der sexuellen Selektion herausgebildet haben. Aus Gründen, über die die Wissenschaftsphilosophen nachzudenken begonnen haben, blieb diese Idee Darwins - anders als seine Idee der natürlichen Selektion - innerhalb und außerhalb der Wissenschaft zunächst wenig beachtet.

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