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Grundkurs in Soziobiologie (13) : Großmutters Glückskinder

  • -Aktualisiert am

Wichtig fürs Wohlergehen: die Oma Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Wozu gibt es eigentlich Großmütter? Der Mensch ist die einzige Art mit einer langen Lebensphase nach der Fortpflanzungsfähigkeit. Großmütter spielen aber durchaus eine wichtige Rolle für die Reproduktion.

          Wozu gibt es eigentlich Großmütter? Wer diese Frage nicht als Provokation der Älteren mißverstehen will, stößt auf ein soziobiologisch interessantes, geradezu zu einem Paradox verdichtetes Problem. Darwin lehrt, daß die natürliche Selektion Fortpflanzungserfolg belohnt. Alle Arten auf dieser Welt scheinen dem zu entsprechen, denn schließlich reproduzieren sie bis an ihr Lebensende. Menschen nicht. Frauen werden in der fünften Lebensdekade obligat steril und können danach je nach Glück eine mehr oder weniger lang andauernde Lebensphase genießen. Zwar scheinen Schimpansen und einige Wale auf dem evolutionären Weg zu einer „postgenerativen Lebensspanne“ zu sein, aber so bedeutsam wie bei uns Menschen, die immerhin rund die Hälfte ihres Lebens nach der Phase des Kinderkriegen verbringen, sind diese kinderlosen Abschnitte nicht, und eine soziale Großmutterrolle gar scheint diesen Arten gänzlich fremd.

          Was hat die Evolution veranlaßt, Großmütter in die Arena des Lebens zu schicken, und wie konnte sie diese Rolle genetisch fixieren, wenn sie doch mit Unfruchtbarkeit einhergeht? Dies sei ein Scheinproblem, wird gelegentlich vorgebracht, schließlich habe sich das Leben unserer Vorfahren unter ökologisch prekären Verhältnissen abgespielt, unter denen die mittlere Lebenserwartung bei vielleicht 35 Jahren lag. Alt geworden sei hier niemand, weshalb Seniorinnen ein Phänomen der jüngeren Geschichte mit ihrem verbesserten Angebot medizinischer und kalorischer Versorgung seien. Der Versuch, das Alter evolutionär erklären zu wollen, sei angesichts der historischen Kürze seiner Existenz ein Schuß daneben.

          Vitalität vor der Menopause erhöht

          Diese Auffassung ist jedoch falsch, denn so weit man Lebensgeschichten rekonstruieren kann, zeigt sich, daß Homo sapiens nicht nur „immer schon“ ein Potential zum Altwerden hatte, sondern auch durchaus eine reelle Chance dazu, wenn nur erst einmal die Risiken der Säuglings- und Kindersterblichkeit überstanden waren. Die unfruchtbare Altersphase ist zweifellos Erbe einer typisch menschlichen Lebenslaufevolution, und folglich muß es eine Erklärung dafür geben, die sich im Einklang mit unserem Verständnis von den Darwinischen Prozessen befindet.

          Unser zweites Gesicht

          Sie könnte darin bestehen, daß die natürliche Selektion die Vitalität vor der Menopause erhöht hat, damit die Fortpflanzungszeit möglichst lange ausgeschöpft werden kann. Und wer vor der Menopause vital ist, ist es auch danach und lebt einfach weiter - einfach so. Man denke an eine Raumsonde, die konstruiert wurde, einen entfernten Planeten zu erreichen. Wenn die Ingenieure gute Arbeit geleistet haben und die Sonde, sagen wir, Pluto erreicht hat, wird sie nach erfolgter Mission nicht auf einmal ihre Funktion einstellen, sondern ziel- und zwecklos in die endlosen Weiten des Alls eindringen. Großmütter als Überschußphänomen?

          „As im Ärmel“ junger Familien

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