https://www.faz.net/-gwz-tle7

Grundkurs in Soziobiologie (12) : Der Mann auf dem Drahtseil

  • -Aktualisiert am

Prototyp des neuen Vaters: Mann im Erziehungsjahr Bild:

Die Entscheidung von Männern, sich für eine aktive Vaterrolle zu entscheiden, folgt einfachen Überlegungen. Wenn es mit der Besitzvermehrung nicht so recht klappt, wird der Mann zum fürsorglichen Vater.

          Ein oft wiederholter Slogan für eine verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf in den Lebensentwürfen junger Menschen lautet: Neue Väter braucht das Land. Allerdings, der neue Mensch ist noch niemals aufgetaucht, obwohl es historisch nicht an säkular oder religiös motivierten Versuchen gefehlt hat, den neuen, verbesserten Menschen zu schaffen, damit sich das Glück auf dieser Erde mehre. Solange Menschen nicht in ihre eigenen Konstruktionspläne eingreifen, wird es keine neuen Väter geben können (und danach vermutlich keine besseren). Was aber nichts macht, weil auch der alte Adam das bevorratet, was familienpolitisch derzeit nachgefragt ist. Was also könnte Männer veranlassen, sich so zu verhalten, wie es die Politik will? Oder anders gefragt: Warum sind sie eigentlich nicht regelmäßig das, was man von ihnen erwartet: familienzentrierte Erzieher und Fürsorger?

          Nun, Männer haben bekanntlich zwei alternative Möglichkeiten, dem biologischen Imperativ zu gehorchen. Sie können entweder danach streben, das zu erhöhen, was im Laborjargon der Soziobiologie „Paarungserfolg“ genannt wird, oder aber sie konzentrieren ihren Lebensaufwand in die große Liebe und den daraus hervorgehenden Nachwuchs. Beides gleichzeitig geht nicht, jedenfalls nicht auf Dauer. Diese Doppelgleisigkeit männlicher Lebensstrategien ist nun bei Leibe keine Erfindung von Homo sapiens masculinus, sondern altes Primatenerbe.

          Vaterrolle und Monogamie aufs engste verbunden

          Zwar ist in Säugetiergesellschaften die soziale Vaterrolle eher unbekannt. Böcke und Rammler tun nicht mehr für die Fortpflanzung, als ihr Name aussagt. Aber interessanterweise beginnt bei den Primaten eine evolutionäre Innovation aufzuscheinen, indem sich Paarbindungen auch über die Paarungszeit hinaus zu verfestigen beginnen und Väter ein Interesse an ihren Babies entwickeln. Bei einigen Arten ist die Vaterrolle obligat. Männchen kümmern sich intensiv um ihren Nachwuchs - allerdings zum Preis sexueller Einschränkung. Väterliches Investment und Monogamie sind aufs engste miteinander verbunden.

          Unser zweites Gesicht

          Wie ein auch nur flüchtiger Blick in die Geschichte und kulturelle Vielfalt des Menschen lehrt, ist die Doppelgleisigkeit männlicher Lebensstrategien unterschiedlich umgesetzt. Es gibt Gesellschaften - Anthropologen ordnen sie in der Regel in die Gruppe der matrilinealen Gesellschaften -, in denen Männer zwar als Gäste der Nacht willkommen sind, aber als Verantwortliche in Erziehungs- und Versorgungsfragen praktisch keine Rolle spielen.

          Familienmensch durch Kosten-Nutzen-Abwägung

          Auf der anderen Seite gibt es freilich auch genau den gegenteiligen Entwurf: Eine sozial definierte Vaterrolle, angesiedelt irgendwo zwischen partnerschaftlicher Teilhabe und ihrer Überhöhung in der Figur des dominanten Patriarchen. Aber auch in den verschiedenen sozialen Nischen innerhalb ein- und derselben Gesellschaft kann sich diese Doppelgleisigkeit finden lassen, ja, möglicherweise sogar innerhalb ein- und derselben Männerbiografie mag es Wechsel in dem Stellenwert geben, den Familie in der persönlichen Lebenspräferenz einnimmt.

          Weitere Themen

          Sie ist Irans erste Boxerin Video-Seite öffnen

          Kampf gegen das Regime : Sie ist Irans erste Boxerin

          In Frankreich wird die 24-Jährige das erste Mal bei einem Wettkampf in den Boxring treten. In ihrer Heimat ist das noch nicht möglich. Dort dürfen Frauen nur in Einrichtungen trainieren, in denen sich keine Männer aufhalten – doch das gibt es im Iran praktisch nicht.

          So erzeugen Windräder Strom Video-Seite öffnen

          Erneuerbare Energien : So erzeugen Windräder Strom

          Wind ist eine unerschöpfliche und kostenlose Energiequelle. Vor der Küste von Rügen haben die Energiefirmen Eon und Equinor den nach eigenen Angaben derzeit leistungsstärksten Offshore-Windpark in der Ostsee in Betrieb genommen. Eine Videografik erklärt, wie aus der Kraft des Windes Strom wird und welche Nachteile es gibt.

          Topmeldungen

          Donald Trump : Schuldig im Sinne der Politik

          Der Bericht von Sonderstaatsanwalt Mueller bestätigt üble Ahnungen über die Zustände im Weißen Haus – aber nicht über eine vermeintliche Verschwörung mit dem Kreml.

          Präsidentenwahl in der Ukraine : Das System Charkiw

          In der zweitgrößten Stadt der Ukraine haben sich die Machtverhältnisse seit der Revolution 2014 nicht verändert. Aber einiges ist in Bewegung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.