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Große Augen, kleine Nasen : Die Evolution ließ jedes Gesicht einzigartig werden

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Einzigartige Gesichter: Models bei der London Fashion Week Bild: AP

Warum sind menschliche Gesichter so unverwechselbar? Wissenschaftler aus Berkeley zeigen, dass diese Individualität das Ergebnis von harter Auslese während der Evolution gewesen sein muss.

          2 Min.

          Dass unsere Gesichter einzigartig sind, ist ein Ergebnis von jahrtausendelanger Auslese – es scheint ein evolutionärer Vorteil für Menschen zu sein, wenn jeder leicht als eigenständige Persönlichkeit zu erkennen ist. Zu diesem Schluss kommt ein Team um den Verhaltensökologen Michael J. Sheehan von der University of California in Berkeley im Fachmagazin „Nature Communications“ (doi:10.1038/ncomms5800). Dieser evolutionäre Trend habe sich mit großer Wahrscheinlichkeit entwickelt, weil die sozialen Interaktionen des Menschen so stark durch seine visuellen Fähigkeiten bestimmt werden, so Sheehan weiter – während Tiere den Geruch und die Laute von Artgenossen analysieren, um deren Identität festzustellen.

          Die Wissenschaftler stellten sich die Frage: Sind Gesichtszüge, etwa der Abstand zwischen den Augen oder die Breite der Nase, nur rein zufällig von einer großen Variabilität – oder hat es während der Evolution Selektionsprozesse gegeben, durch die eine solche hohe Variabilität herbeigeführt wurde? Wie hypothetisch angenommen, fanden die Studienautoren tatsächlich heraus, dass Gesichtszüge eine höhere Variabilität aufweisen als andere Körpermerkmale, etwa die Länge von Händen. Zudem sind einzelne Gesichtszüge unabhängig von anderen Gesichtsmerkmalen – anders als es bei anderen Teilen des Körpers der Fall ist. Menschen mit langen Armen beispielsweise haben oft auch lange Beine. Aber Menschen mit einer breiten Nase haben nicht zwangsläufig auch größere Augen oder eine lange Nase.

          Informationen aus einer Militär-Datenbank

          Um diese Zusammenhänge zu erkennen, verwendeten die Forscher um Sheehan eine Datenbank des amerikanischen Militärs. Im Jahr 1988 hatte man Körpermerkmale hinsichtlich ihrer Größe von weiblichen und männlichen Militärangehörigen registriert und im „Army Anthropometric Survey“ zusammengeführt. Mit der Hilfe dieser Datenbank sollten Uniformen und sonstige Arbeitsausrüstung passend designt werden.

          Die Wissenschaftler aus Berkeley werteten aber auch eine Genomdatenbank aus, nämlich das „1000 Genome Project“, für das seit dem Jahr 2008 mehr als tausend menschliche Genome sequenziert worden sind. In den Regionen des Genoms, die für Gesichtszüge kodieren, fand sich deutlich mehr Variation als in anderen Regionen. Generell gebe es die Tendenz, dass Variation abnehme durch die natürliche Selektion, wenn es um Eigenschaften gehe, die für das Überleben wichtig sind, kommentierte Sheehans Koautor Michael Nachman vom UC Berkeley Museum of Vertebrate Zoology die Ergebnisse. „Hier finden wir das Gegenteil: Durch Selektion wird Variation gesichert.“ Das deute stark darauf hin, dass eine Variation der Gesichtszüge im Laufe der Evolution bevorzugt worden sei, damit menschliche Individuen sich besser gegenseitig wiedererkennen können.

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