https://www.faz.net/-gwz-7qhvn
 

Glosse : Wer ist der bessere Vegetarier?

  • -Aktualisiert am

Blick in den Kühlschrank einer Veganer-WG Bild: dpa

Die Motivation ist nicht egal: Ein amerikanischer Psychologe fand heraus, dass Vegetarier sich gegenseitig scharf beurteilen. Wer nur wegen der Gesundheit auf Fleisch verzichtet, wird kritisch gesehen.

          1 Min.

          Sieben Million Menschen leben in Deutschland inzwischen vegetarisch. Das sind acht bis neun Prozent der Bevölkerung, mehr als in vielen anderen westlichen Ländern. 1,5 Prozent der Deutschen bezeichnen sich sogar als Veganer, sie verbannen alle tierischen Produkte, auch Milch, Eier und Honig, von ihrem Speiseplan. Eine große Gemeinschaft der Tofu-Griller und Seitan-Genießer hat sich hier gebildet – das könnte man als Außenstehender denken.

          Doch weit gefehlt: Untereinander, so beschreibt es nun eine im Fachmagazin „Plos One“ publizierte Studie, sind sich Vegetarier keineswegs „grün“. Für sie ist vielmehr entscheidend, mit welchen Beweggründen jemand auf Fleisch oder generell auf tierische Lebensmittel verzichtet. Das schildert der Psychologe Hank Rothgerber von der Bellarmine University in Kentucky, der über eine Vegetarier-Website 430 Studienteilnehmer rekrutierte, die in einer Befragung angaben, wie sie andere Fleischverzichtler beurteilen und ob sie sie schätzen. Rothgerber machte vier Hauptgruppen aus: Ethisch motivierte und gesundheitlich motivierte Vegetarier sowie Veganer, die ihren Ernährungsstil jeweils ebenfalls aus ethischen oder aus Fitnessgründen gewählt hatten.

          „Langweilig und selbstsüchtig“

          Tatsächlich scheinen Menschen, die ihrer Gesundheit wegen vegetarisch kochen und essen, schlecht angesehen zu sein unter den „anderen“: denjenigen, die aus ethischen Motiven heraus auf Fleisch verzichten. Für Veganer unterschiedlicher Motivation gilt dasselbe. Kleinere Studien hatten diesen Zwist bereits vor einigen Jahren thematisiert; 2007 war im Fachjournal „Appetite“ eine Studie erschienen, derzufolge ethisch motivierte Vegetarier die gesundheitsbewussten für „selbstsüchtig“, „langweilig“ und „unzureichend radikal“ hielten. Rothgerber spricht im Titel seiner Publikation jetzt gar von einer „horizontalen Feindseligkeit“ innerhalb der gesamten Gruppe. Zerfleischen sich also Vegetarier, dieser Kalauer sei erlaubt, gegenseitig, sobald die Rede auf die Motive kommt?

          Ganz so ist es nicht. Das Klima untereinander hängt auch ein wenig davon ab, wie sehr man bei einer Befragung wie der von Rothgerber betont, dass Fleischkonsum noch immer massiver Mainstream ist. Daran erinnert, werden zumindest Veganer milder. Sie machen dann keinen Unterschied mehr zwischen Gesundheits-Vegetariern und der Ethik-Gruppe. Motto: Angesichts der Massen von Fleischessern, die jetzt wieder mit Kohlesäcken und marinierten Steaks in die Parks strömen, ist der unreflektierte Fitness-Vegetarier, der nur eine schlanke Linie will, trotzdem immer noch der bessere Gast am Grill.

          Weitere Themen

          Von wegen sauberer Klang

          FAZ Plus Artikel: Autolärm : Von wegen sauberer Klang

          Die Freunde aufheulender Motoren lassen sich mit „Lärmblitzern“ erwischen. Aber das macht den Verkehr auf unseren Straßen noch lange nicht leise. Wie sich der Verkehrslärm verringern lässt.

          Wenn alles flutscht

          Netzrätsel : Wenn alles flutscht

          Es gibt so gut wie nichts, was es nicht gibt im Netz der Netze: Geniales, Interessantes, Nützliches und herrlich Überflüssiges. Diesmal: Staus online simulieren.

          Topmeldungen

          Nominierung für Supreme Court : Sie ist Trumps neuer Trumpf

          Donald Trump steht kurz davor, eines seiner wichtigsten Versprechen an die Republikaner einzulösen. Mit einer konservativen Richterin Amy Coney Barrett am Obersten Gericht könnten sich die schlimmsten Befürchtungen der Demokraten bewahrheiten.

          Biden über Trump : „Er ist so in etwa wie Goebbels“

          Der Ton im Präsidentschaftswahlkampf ist rau – und wird noch unversöhnlicher: Joe Biden bezichtigt Trump der Lüge und stellt einen schwierigen historischen Vergleich her. Der Amtsinhaber ist nicht weniger zimperlich.
          Dass es in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt zu einer Stichwahl kommen würde, hat sich schon länger abgezeichnet.

          Zweite Runde der Kommunalwahl : Tag der Entscheidung in NRW

          Gelingt es den nordrhein-westfälischen Grünen, erstmals einen Oberbürgermeister zu stellen? Gewinnt der CDU-Kandidat in Düsseldorf und beendet so das Großstadttrauma seiner Partei? Ein Überblick über die spannendsten Stichentscheide.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.