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Glosse: Vegetarisches Katzenfutter? : Gurken für Garfield

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Kein Fleisch? Ob man Katzen vegetarisch ernähren kann, ist nur selten untersucht worden Bild: dpa

Ethisch motivierte Vegetarier kommen regelmäßig in Konflikte, dann nämlich, wenn sie die Näpfe ihrer fleischfressenden Haustiere füllen. Eine Studie untersucht nun, wie sie das Problem lösen.

          Hunden und Katzen, den Fleischfressern unter den gängigen Haustieren, steckt man am Frühstückstisch Leberwurst und Mett zu, seltener wohl ein Stückchen Marmeladentoast. Anders sieht das aus in Haushalten, in denen Fleischprodukte auf dem Esstisch fehlen: bei Vegetariern, die inzwischen in manchen Industrieländern knapp zehn Prozent der Bevölkerung ausmachen. Hier fällt wohl selten eine Scheibe Fleischwurst für Mieze ab, bei Veganern nicht mal ein Bissen Frischkäse. Aber wie mögen sich Menschen, die so besondere ethische Maßstäbe an ihr eigenes Konsumverhalten anlegen, wohl fühlen, wenn sie die Futternäpfe ihrer Hausgenossen täglich mit fleischhaltigen Menüs füllen müssen?

          Manche fühlen sich wie Heuchler

          Hank Rothgerber von der University of Bellarmine in Kentucky hat diese Frage untersucht, indem er mehr als 500 Vegetarier und Veganer interviewte, von denen 72 Prozent Hunde oder Katzen hielten. Im Fachmagazin „Appetite“ zeigt Rothgerber einen Konflikt auf, den er „tragisch“ nennt: Seine Probanden gaben zu Protokoll, unter Schuldgefühlen zu leiden, manche fühlten sich gar wie Heuchler. Besonders im Zwiespalt waren Veganer und Vegetarier, die sich als ethisch motiviert bezeichneten - im Unterschied zu denjenigen, die aus Gesundheitsgründen auf Fleisch verzichteten. Als ob das Problem nicht schon schwierig genug zu lösen wäre, halten Vegetarier auch noch deutlich häufiger Haustiere als Fleischesser. Die ethisch motivierten unter Rothgerbers Probanden gaben an, dass sie den Anteil tierischer Produkte in den Futterschüsseln ihrer Tiere deutlich reduzierten; teilweise fütterten sie Rationen mit weniger als 25 Prozent Fleisch, Milch und Ei.

          Das Ganze mag auf den ersten Blick undurchführbar und absurd klingen. Tatsächlich gibt es aber seit fünfzehn Jahren wissenschaftliche Hinweise darauf, dass eine vegetarische Ernährung von Hunden und Katzen möglich ist - theoretisch jedenfalls. In einer Doktorarbeit an der Ludwig-Maximilians-Universität München wurden Ende der neunziger Jahre die Rationen von mehr als neunzig Hunden und Katzen analysiert, deren Halter es mit vegetarischer Kost versucht hatten. Solche Pläne seien durchaus umsetzbar, heißt es in der Arbeit - wenn die Halter dabei alles richtig machten. Doch leider strotzten die Speisepläne, ernährungsphysiologisch betrachtet, vor Fehlern. Den Hunden mangelte es an Eiweiß, Kalzium, Phosphor und Vitamin B12, den Katzen an Taurin, einer Aminosulfonsäure, die diese Tierart selbst kaum aufbauen kann. Theoretisch sei eine solche Fütterung also „akzeptabel“, so die Bilanz der Studie - in der Praxis allerdings sei sie „tierschutzrelevant“.

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