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Glosse : (Un)gesund essen

  • -Aktualisiert am

Proteinreich: Wiener Schnitzel Bild: picture-alliance

Viel Protein im Essen - und das Sterberisiko steigt? Die Verfechter unterschiedlicher Ernährungstheorien bekriegen sich seit langem. Wer genau hinschaut, bemerkt Ungereimtheiten.

          2 Min.

          Wurst und Käse könnten so schädlich wie Zigaretten sein“ – mit diesem Titel wurde vor kurzem eine Ernährungsstudie der Zeitschrift „Cell Metabolism“ angepriesen. Die Forscher hatten herausgefunden, dass sich durch eine proteinreiche Ernährung das generelle Sterberisiko verdoppelt. Nach low-fat-Produkten und low-carb-Diäten nun also eine low-protein-Ernährung, um gesund zu bleiben? Viermal höher sei gar die Chance, bei eiweißlastiger Kost durch eine Krebserkrankung vorzeitig aus dem Leben zu scheiden. Doch das gilt anscheinend nicht für alle: Wer zwischen 50 und 65 Jahre alt ist, lebt den Forschern zufolge mit viel Fleisch und Milchprodukten in seinem Essen gefährlich.

          Bei älteren Personen wurde hingegen eine gesundheitsfördernde Wirkung beobachtet, wenn zwanzig oder mehr Prozent der aus der Nahrung aufgenommenen Energie von Proteinen stammen. Das klingt nicht nur komisch, das ist es auch: Normalerweise werden die beobachteten Menschen einer Ernährungsstudie in drei, meist sogar vier oder fünf Gruppen unterteilt, um statistische Ungenauigkeiten zu vermeiden. Der durch seine LOGI-Diät bekannt gewordene Ernährungswissenschaftler Nicolai Worm hält die Studie daher für „epidemiologisch unterste Kiste“.

          Verwirrspiel um Kohlehydrate und Eiweiß

          Betrachte man die Gesamtheit der 6381 Studienteilnehmer, könne man keinen negativen Effekt einer proteinreichen Ernährung mehr feststellen. Zudem, merkt Worm an, betreibe der Erstautor eine Firma für vegane Lebensmittel. Also alles interessengesteuert? Nach Worms Ansicht ist das eindeutig. Lieber solle man seinen Empfehlungen folgen und wenig Kohlenhydrate zu sich nehmen. Die seien schließlich für die hohe Zahl an insulinresistenten Menschen verantwortlich, die Gefahr laufen, Diabetes zu entwickeln. Die allgemein bekannte Ernährungspyramide, deren Basis aus kohlenhydratreichen Lebensmittel wie Brot, Kartoffeln und Nudeln besteht – ein Relikt aus der Zeit der Industrialisierung! Fleisch war knapp, die Menschen arbeiteten hart und sollten möglichst billig satt gemacht werden. In der heutigen Gesellschaft, die in der Mehrheit aus übergewichtigen Couchpotatoes besteht, schade man mit einer solchen Kost dagegen der Gesundheit, so der LOGI-Fachmann.

          Kauft Kochbücher, bucht Seminare

          Wie ist all das zu vermeiden? Natürlich, indem man Worms Kochbücher kauft, eines seiner Seminare bucht oder sich – gegen entsprechendes Entgelt – gleich zum LOGI-Trainer ausbilden lässt. Seine Thesen untermauert Worm mit einer Sammlung an Studien, die mit unterschiedlichen Methoden und Teilnehmerzahlen mögliche Risiken einer kohlenhydratreichen Kost aufzeigen. Für Helmut Beseker von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) eine hochriskante Vorgehensweise: In der schier erdrückenden Menge an Ernährungsstudien diejenigen herauszusuchen, die für die eigene These sprechen, sei keine geeignete Grundlage für eine Ernährungsempfehlung.

          Die DGE bewerte dagegen systematisch die verfügbare wissenschaftliche Fachliteratur, um den aktuellen Wissensstand kritisch zusammenzufassen und Ernährungsempfehlungen für die Praxis daraus abzuleiten. Und die sind altbekannt: Reichlich Getreideprodukte und Kartoffeln, viel Obst und Gemüse, Proteinhaltiges in Maßen und wenig Fett. Alles beim Alten!

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