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Glosse : Nackter Nansen

Bild: dpa

Vom norwegischen Polarforscher und Nobelpreisträger Fridtjof Nansen sind Nacktfotos aufgetaucht. Die Norweger mögen sie, Facebook bockt ob der Nacktheit.

          Die Abenteuerlust des großen norwegischen Polarforschers und Friedensnobelpreisträgers Fridtjof Nansen war schon zu Lebzeiten legendär. Und auch achtzig Jahre nach seinem Tod entdecken seine Landsleute immer noch verborgene Seiten ihres Idols, das die sagenhafte Gestalt des Abenteurers zu untermauern hilft. Die Zeitung "Aftenposten" hat vor kurzem Nacktfotos des Eroberers abgedruckt, die er zwei Jahre vor seinem Tod mit Selbstauslöser aufgenommen und seiner Geliebten zugeschickt hatte. Eine der Aufnahmen zeigt ihn unverhüllt in Seitenlage auf sein Kopfkissen gestützt, mit schütterem Haar und leicht zweifelnder Miene zwar, aber in eindeutiger Pose. Erotik ist dennoch was anderes. Bei einem Siebenundsechzigjährigen davon zu sprechen leuchtete denn auch den norwegischen Zeitungsmachern nicht unmittelbar ein. Weswegen man die Fotos mit Verweis auf die historische Bedeutung der Dokumente prompt und ungeschwärzt auf der Facebook-Seite des Zeitungshauses "postete", wie das im Jargon der sozialen Netzwerker heißt.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Der Betreiber der Seite, der bekanntlich jedes auf seiner Plattform plazierte Foto als sein geistiges Eigentum betrachtet, entfernte darauf eigenhändig die Nansen-Nackfotos wegen klarer "Anstößigkeit" und drohte dem Osloer Zeitungshaus bei erneuter Zuwiderhandlung, dessen Konto zu sperren. Der norwegische Presseverband hat sich inzwischen gegen den "unnorwegischen Moralismus" von Facebook verwahrt und die Freischaltung der historischen Aufnahmen gefordert. Die Aussichten dafür stehen allerdings eher schlecht. Nansen hatte sich zwar einen untadeligen Ruf als Flüchtlingshelfer im Ersten Weltkrieg erworben und als Verfechter der norwegischen Unabhängigkeit moralische Maßstäbe in seinem Land gesetzt. Aber Nationalhelden genießen im Internet selten Sonderbehandlung. Erst recht nicht in jenen Ecken des Netzes, in denen sich der kleingeistige amerikanische Puritanismus breit macht.

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