https://www.faz.net/-gwz-7aeq4
 

Glosse : Lebensträume

  • -Aktualisiert am

Bild: dapd

Doch nicht Tennisprofi geworden? Keinen Roman veröffentlicht? Eltern erwarten oft, dass die Kinder an ihrer Stelle unerfüllte Träume verwirklichen, ergibt eine neue Studie.

          Ob Kindergeld oder Kindergärten, Mütterrenten oder Vätermonate - zum Thema Familie wird der Wahlkampf in diesem Sommer wohl noch so einiges an Debattenstoff hervorbringen. Fettnäpfchen stehen bereit; Mut und Durchblick braucht derjenige, der hier mitdiskutieren und dabei noch Wählerstimmen gewinnen will. Dabei ist die Politik mit ihren Themen noch gut bedient. Klaffend sind dagegen die Abgründe, die sich vor den Wissenschaftlern auftun. Gleich zwei neue Studien beleuchten das Zusammenleben von Eltern und Kindern. Mit einer neuen Rentenregelung ist den Dilemmata, die sich hier abzeichnen, kaum beizukommen.

          Die Mütter und Väter, die Eddie Brummelman von der Universität Utrecht für eine Studie in der Zeitschrift „Plos One“ befragte, denken nämlich nicht an ihre Zukunft. Sie trauern stattdessen einer Vergangenheit hinterher, die sie nicht gehabt haben. Brummelman brachte 73 Mütter und Väter dazu, über verlorene Träume nachzudenken. Die Teilnehmer notierten unter anderem, dass sie eigentlich professionell Tennis spielen, einen Roman veröffentlichen oder ein erfolgreiches Unternehmen gründen wollten. Zudem füllten die Eltern einen Fragebogen aus, mit dem erfasst wird, wie stark bei ihnen das Gefühl war, ihr Kind sei ein Teil von ihnen selbst. Mütter und Väter, bei denen dieses Gefühl besonders ausgeprägt war, gaben in einem weiteren Interview häufig an, dass sie sich wünschten, ihr Kind würde ihre eigenen Lebensziele eines Tages verwirklichen. Man müsse nun mit weiteren Studien herausfinden, ob diese Situation die psychische Gesundheit der Kinder beeinflusse, so Brummelman und seine Kollegen.

          Geschwisterrivalität hat Folgen

          Dass eine ganz andere Konstellation in Familien die Kinder mit Sicherheit schwer belastet, wies derweil Corinna Tucker von der University of New Hampshire im Fachjournal „Pediatrics“ nach. Tucker filterten aus Daten von 3600 Kindern und Jugendlichen Informationen über Aggressionen zwischen Geschwistern heraus: Prügeleien, absichtliches Zerstören von Besitz, herabsetzende oder einschüchternde Bemerkungen. Streit unter Geschwistern werde oft verharmlost, schreibt Tucker. Doch sogar singuläre Vorfälle können ähnliche Effekte haben wie Mobbing unter Gleichaltrigen, etwa in der Schule, und betroffene Kinder schwer stressen. Vielleicht ist also doch die Politik in der Pflicht: Wenn Eltern ihre eigenen Ziele, etwa beruflicher Art, nicht aufgeben müssen, dann können sie vielleicht ein paar Lebensträume mehr umsetzen und müssen ihre Kinder damit nicht behelligen. Oder sie bekommen zumindest so flexible Arbeitszeiten, dass sie die Streithähne, die sie aufziehen, regelmäßig trennen können.

          Weitere Themen

          Puzzle mit Fransen

          Netzrätsel : Puzzle mit Fransen

          Es gibt so gut wie nichts, was es nicht gibt im Netz der Netze: Geniales, Interessantes, Nützliches und herrlich Überflüssiges. Diesmal: fraktales Puzzle.

          Topmeldungen

          FAZ Plus Artikel: Erstes Zeitungsinterview : AKK stellt sich vor ihre Soldaten: „Kein Generalverdacht“

          In ihrem ersten Zeitungsinterview als Verteidigungsministerin spricht Annegret Kramp-Karrenbauer über ihr Verhältnis zum Militär, über das Vermächtnis der Männer des 20. Juli und über den Lieblingspulli ihrer Teenagerzeit. Auch in kritischen Zeiten werde die Truppe ihr Vertrauen genießen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.