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Glosse : Kinderspiel

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

In der Debatte um das Betreuungsgeld wurden viele Beteiligte um ihre Meinung gebeten - nur die Kinder nicht. Das haben finnische Wissenschaftlerinnen jetzt übernommen.

          2 Min.

          In der Debatte um das Betreuungsgeld scheinen inzwischen die meisten Beteiligten um ihre Meinung gebeten worden zu sein - Parteienvertreter vor allem, aber auch Sozialverbände und Neuropädiater. Eine Gruppe allerdings ist bislang noch nicht gehört worden: die Kinder selbst. Was in Deutschland versäumt wird, haben jetzt finnische Wissenschaftlerinnen übernommen. Kaarina Määttä und Taina Kyrönlampi-Kylmänen haben im Fachmagazin „Early Child Development and Care“ eine Studie veröffentlicht, in der sie dokumentieren, wie Hortkinder zwischen fünf und sieben Jahren ihre Erfahrungen mit der „Fremdbetreuung“ schildern.

          Die 29 interviewten Kinder schätzen es demnach vor allem, unbeaufsichtigt und hinter geschlossener Tür im Toberaum zu sein, einem mit Matratzen gepolsterten Zimmer. Wenn die beste Freundin im Urlaub ist, spielt man lieber allein, als sich Kameraden zuzuwenden, die einen eigentlich nerven. Und am schlimmsten finden die Kinder es, wenn sie am Spätnachmittag als Letzte abgeholt werden. Ein Studienergebnis, das aufschlussreich, aber nicht allzu überraschend ist. Wohl auch deshalb beschreiben die Autorinnen ausführlich die Schwierigkeiten, die bei der Datenerhebung auftraten: Die Kinder, gefragt nach ihrer Spielroutine, verloren sich immer wieder in Erzählungen aus einer Phantasiewelt - und zwar derart assoziativ, dass die Forscher rasch gedanklich aus dem Gespräch ausstiegen. Der sagenhafte Mottenmann kam in den Berichten der Kinder vor, jede Menge kleiner Monster, und eine selbstgebaute Hütte, in der offenbar ein Familienleben stattfindet - mit Babypuppen, die bei der Geburt wahlweise schon zwei, drei oder vier Jahre alt sind. „An dieser Stelle konnte die Wissenschaftlerin der Beschreibung des Mädchens nicht mehr folgen“, heißt es in der Studie mit leicht erschöpftem Unterton.

          Lila unter den Augen

          So wird deutlich, dass es vielleicht noch eine weitere Gruppe gibt, die bisher zu selten danach gefragt worden ist, wie sie den Kindergartenalltag erlebt: jene Erwachsenen, die jeden Tag Gespräche wie dieses führen - die Erzieherinnen nämlich. Eine Ahnung davon, wie anstrengend das sein kann, haben die beiden Finninnen durch ihr auf mehrere Jahre angelegtes Forschungsprojekt zum Alltag von Kindern jedenfalls bekommen. In einer früheren Studie beschreibt Kyrönlampi-Kylmänen ein Gespräch mit einer Sechsjährigen: „Wie sind deine Eltern nach der Arbeit so drauf?“, fragt die Forscherin. Kind: „Sie sind sehr müde.“ Forscherin: „Woher weißt du das?“ Kind: „Sie sind immer lila hier.“ (Kind zeigt unter seine Augen.) Dann, zur Forscherin: „Sie sind übrigens auch ziemlich lila unter den Augen. Wahrscheinlich sind Sie auch müde.“

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