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Glosse : Da war doch was

  • -Aktualisiert am

Geklonte Katzen aus Seoul Bild: AFP

Was macht eigentlich das Klonen? Das Schaf Dolly, die Dinos aus „Jurassic Park“, sündhaft teure Klonkätzchen - alles Vergangenheit?

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          Was macht eigentlich das Klonen? Wir erinnern uns: Jahrelang beflügelte die Idee, identische Kopien von lebenden oder schon verstorbenen Menschen und Tieren schaffen zu können, unsere Phantasie. In die richtig heiße Phase trat die Debatte mit der Geburt von Klonschaf Dolly ein, das war 1996. Umfassend informiert über die Risiken waren wir damals schon: Steven Spielberg hatte uns 1993 in „Jurassic Park“ gezeigt, wie wiedergeborene Dinos ein Ferienparadies verwüsteten. Vorsicht also vor dem Klon im Schafspelz - so viel war klar. Doch es war ein wohliger Schauer, der einem über den Rücken lief. Denn eigentlich waren es schöne Zeiten: Biologie hatte in diesen Jahren das Zeug zum Stammtischthema. Schließlich ging es nicht nur um Gene, Zellen, molekulare Schalter und komplizierte Strukturformeln, sondern auch um Ethik. Dinosaurier klonen? Viel zu gefährlich, das hatte man ja in „Jurassic Park“ gesehen. Weltklasseturnierpferde? Die Zuchtverbände warnten und verwiesen auf Traditionen. Super-Milchkühe? Das wiederum fanden Verbraucherschützer gar nicht lustig. Dann lieber Babys? Ein Ansinnen, das zwar kollektiv empört zurückgewiesen wurde, aber eine herrliche Inspirationsquelle abgab für Drehbuchautoren.

          Das Klonen begegnete uns plötzlich ganz glamourös in Gestalt von Scarlett Johansson und Franka Potente, die eine musste als lebendes Ersatzteillager herhalten, die andere spielte die Wiedergeburt einer egozentrischen Pianistin - Kinoereignisse, die Jahre zurückliegen. Danach konnten wir uns noch eine Weile an den Meldungen über die Geburt der ersten Klone von Dromedar, Frettchen und Wanderratte erfreuen. Jetzt scheint auch dieser Hype vorbei. Schade ist das, denn am Rande der Debatte lernte man völlig neue Sichtweisen auf die Welt kennen, etwa die der Raelianer-Sekte, die behauptete, das erste Kind geklont zu haben. Doch schon länger ist es still geworden um die Klonerei.

          Als das Thema es jetzt wieder in die Schlagzeilen schaffte, wirkte das wie ein Ausflug in eine andere Epoche. Australische Forscher berichten in „Science“ über Klon-Korallen. Die Blumentiere waren ja schon immer verdächtig, schließlich pflanzen sie sich in der Horde fort. Ganze Riffe geben in einer einzigen Nacht dichte Wolken von Eizellen und Spermien ins Wasser ab. Aber jetzt kommt es noch dicker: Werden die zarten Embryonen bei Wind und Wetter auseinandergerissen, wachsen die Einzelteile zu genetisch gleichen Korallen heran. Klone also, mal wieder. Nur leider hat die Meldung uns nicht wirklich in alte Zeiten zurückversetzen können. Es handelt sich nämlich nicht um einen technologischen Fortschritt, sondern um einen uralten Prozess. Eine weitere Skurrilität aus dem Tierreich, die sicherlich dafür taugt, sie beim Biologie-Abitur einzuflechten, um sich auf eine Zwei plus zu verbessern. Die echte alte Klonfrage allerdings liegt offenbar derzeit auf Eis. Bis wir uns wieder wie früher in ethischen Debatten darüber verlieren können, müssen wir wohl noch etwas warten.

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