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Glosse : Brennende Säulen

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Geht es in Deutschland in Studien um die Befindlichkeit von Ärzten, wird meist nach Frauen und Männern unterschieden. In Amerika differenziert man anders: „mit Burn-out“ oder ohne.

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          Säulendiagramme kennt man aus vielen Publikationen. Wenn es um die Befindlichkeit von Ärzten geht, sind sie ein besonders beliebtes Instrument der Abgrenzung. Zwei Balken in zwei verschiedenen Farben stehen da stets nebeneinander, um ein Umfrageergebnis zu illustrieren. Der eine symbolisiert die weiblichen, der andere die männlichen Teilnehmer der Umfrage. Unlängst zeigte etwa eine Studie des Hartmannbundes, dass achtzig Prozent der jungen Ärztinnen planen, nach der Familiengründung in Teilzeit zu arbeiten, aber nur fünfzig Prozent ihrer männlichen Kollegen - alles untermauert mit schönen Säulendiagrammen, die die Geschlechterunterschiede auf den Punkt bringen. Man hat sich an diese Säulen gewöhnt in der soziologischen Erforschung des Arztberufes, einem florierenden Feld, seit der Ärztemangel es notwendig macht, die geheimen Sehnsüchte der begehrten Fachkräfte näher zu ergründen und Trends abzuleiten. Säulen, überall Säulen, die eine männlich, die andere weiblich.

          Mit und ohne Burn-out

          In Amerika ist das allerdings ganz anders. Der Unterschied zwischen männlichem und weiblichem Klinikpersonal scheint nur am Rande zu interessieren. Das zeigt eine neue Studie, der „2013 Medscape Physician Lifestyle Report“. Für diese Untersuchung hat man unter 24000 Ärzten aller Fachgebiete erfragt, ob sie lieber im Garten arbeiten, lesen oder Golf spielen, ob sie mehr oder ob sie weniger als zwei Wochen - oder gar keinen - Urlaub nehmen. Auch hier Säulendiagramme, wohin man blickt. Aber mit dem Geschlecht haben diese Balken nichts zu tun. Die eine Säule symbolisiert jene Ärzte, die an einem Burn-out leiden, die andere diejenigen, die noch nicht ausgebrannt sind. Kostprobe gefällig? Ein Viertel der Orthopäden spielt in der Freizeit Golf, aber bei den Fachkollegen, die unter Burn-out leiden, spielen sogar dreißig Prozent Golf. Sechs Prozent der Gynäkologen mit Burn-out beschäftigen sich privat mit kreativem Schreiben, aber nur etwa drei Prozent der Frauenärzte ohne Burn-out. Etwa 25 Prozent der Lungenfachärzte mit Burn-out zählt die Beschäftigung mit den eigenen Finanzen zu den Hobbys. Haben Pneumologen jedoch keinen Burn-out, befassen sich nur fünfzehn Prozent damit.

          Hinter all den Säulen verschwinden fast die wirklich bedeutenden Aussagen: Notfallmediziner haben besonders häufig einen Burn-out, Pathologen erkranken am seltensten daran. Wenn Pathologen aber doch einmal einen Burn-out haben, dann ist er besonders ausgeprägt. Am häufigsten ist der Burn-out der Studie zufolge im Alter zwischen 46 und 55 Jahren. Doch es gibt Licht am Ende aller Säulen: Ab 65 hat kaum jemand, egal ob Radiologie, Anästhesist oder Kinderarzt, noch darunter zu leiden.

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