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Gesichtererkennung : Die 21 Emotionen der Generation „Selfie“

Selfies des Forschers, von glücklich bis eingeschüchtert. Bild: Aleix Martinez

Menschliche Emotionen kann man im Gesicht ablesen. Forscher haben nun ein Computerprogramm entwickelt, das Gesichtszüge analysiert. Es soll Gefühle mit einer Genauigkeit von 97 Prozent erkennen können - mindestens 21 kann jedes Gesicht ausdrücken.

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          Hätte man auf die großen Philosophen Plato und Aristoteles oder wenigstens später auf Descartes oder Hobbes gehört, die moderne Emotionsforschung stünde nicht so arm da, wie sie sich seit Jahrzehnten gibt: Sechs oder sieben Grundgefühle, so sagt sie, sind dem Menschen eigen: Freude, Wut, Ekel, Furcht, Verachtung, Traurigkeit und Überraschung.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Gleich, welche Ethnien man betrachtet, in den Gesichtern der Menschen sind diese elementaren Emotionen wiederzufinden. Die vier Philosophen hatten in ihren Schriften allerdings noch sehr viel mehr und andere Gefühle beschrieben, die in der zwischenmenschlichen Kommunikation eine Rolle spielen. Ebenso wie sie haben die drei amerikanischen Kognitionsforscher Aleix Martinez und Shichuan Du und Yong Tao von der Ohio State University die Überzeugung geteilt, dass es in der Mimik sehr viel mehr an Gefühlen abzulesen gibt als das halbe Dutzend Grundgefühle.

          Sie haben deshalb mehr als zweihundert Probanden unterschiedlicher Ethnien, Männer wie Frauen, vor die Kamera gesetzt und unterschiedliche Gefühle provoziert. Die Vielfalt der Gesichtsausdrücke war wie erwartet enorm. Und das, obwohl der Mensch von den 26 Gesichtsmuskeln im Grunde lediglich acht einsetzt, um seine Gefühle auszudrücken. Allerdings sind diese acht Muskeln keineswegs so eindeutig mit unserem Gehirn verdrahtet, dass sich damit alle möglichen Gemütsbewegungen auf unserem Gesicht widerspiegeln.

          Basisemotionen können klassifiziert werden

          Der mimische Code ist viel reicher, als die wenigen Grundgefühle erwarten lassen. Der amerikanische Psychologe Paul Ekman hatte das „Facial Action Coding System“, die Klassifikation der Basisemotionen anhand der Gesichtsausdrücke in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts entwickelt. Als Martinez und seine Kollegen die Bilder der Gesichtsausdrücke auswerteten, stellten sie fest, dass es unterhalb der Grundgefühle sogenannte „Kombinationsgefühle“ gibt, die eine Mischung sind und aus dem koordinierten Zusammenwirken mehrerer mimischer Muskeln entstehen.

          So ließ sich durch die Aktivität bestimmter Muskeln beispielsweise „freudig-überrascht“ von unangenehm- überrascht“ unterscheiden. 15 solcher Kombinationsgefühle haben die drei Forscher in den „Proceedings“ der amerikanischen Akademie der Wissenschaften (doi: 10.1073/pnas.1322355111) beschrieben. Sie haben daraus ein Computermodell entwickelt, das die Basisgefühle auf Porträts mit einer Genauigkeit von 97 Prozent und die neuen Kombinationsgefühle mit 77-prozentiger Sicherheit identifiziert.

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