https://www.faz.net/-gwz-9jecs

Wal-Forschung in Island : Jeder Wal ist anders

  • -Aktualisiert am

„Diese Klangwelten haben mich sofort begeistert“

Schwertwale sind äußerst gesprächig. Sie umgeben sich mit Rufen und Klängen, um sich zu orientieren und miteinander zu kommunizieren. Ihre Augen benutzen sie hauptsächlich, um sich an der Wasseroberfläche zurechtzufinden, oder dann, wenn es nicht genug akustische Informationen unter Wasser gibt. Ansonsten navigieren die Wale vor allem per Echolot, indem sie klicken, pfeifen und rufen und auf das Echo lauschen, das zum Beispiel von ihren Beutetieren zurückgeworfen wird. Samarra zeichnet die Klänge der Wale auf und versucht, ihre Sprache zu entschlüsseln. „Diese Klangwelten haben mich sofort begeistert“, sagt die Forscherin. „Die Vielfalt an Lauten, die Orcas produzieren, ist faszinierend.“

FAZ.NET komplett

Zugang zu allen exklusiven F+Artikeln und somit zur ganzen Vielfalt von FAZ.NET – für nur 2,95 Euro pro Woche

Mehr erfahren

Anders als etwa bei einigen Vogelarten sind die Laute der Schwertwale nicht genetisch festgelegt. Sie erlernen sie vielmehr in ihrer Jugend. Jede Orca-Familie hat einen eigenen Dialekt, an dem sich Verwandtschaftsbeziehungen ablesen lassen. Ein Laut scheint dabei einmalig für die isländischen Schwertwale zu sein. Die Forscher nennen ihn den „herding call“. Dieser Hüteruf hat eine besonders tiefe Frequenz und wird von den Orcas bei der Heringsjagd genutzt. „Wir glauben, dass der Ruf die Fische erschreckt, so dass sie dichter zusammen schwimmen“, sagt Samarra. Die Schwertwale kreisen den Hering dann ein und schlagen mit ihren Schwanzflossen in den Schwarm.

Bei den meisten anderen Lauten haben die Forscher noch nicht entschlüsselt, was sie bedeuten. Samarra hört sich Aufnahme für Aufnahme an und versucht anhand des Gehörten, bestimmte wiederkehrende Rufe zu unterscheiden. Aus ihren Kopfhörern quiekt und quietscht es, dann wieder klackern und rattern die Wale, und schon nach wenigen Aufnahmen hört das ungeübte Ohr keine Unterschiede mehr. Selbst die trainierte Forscherin schaut sich immer wieder die Sonogramme zu den Tonaufnahmen an, um die Klänge mit Hilfe der aufgezeichneten Muster besser unterscheiden zu können.

Nicht wenige glauben, dass Orcas gefährlich sind

„In der Welt der Orcas ist alles miteinander vernetzt“, sagt Samarra. Was die Wale essen, bestimmt, wie sie kommunizieren, welche Jagdtechniken sie entwickeln und welchen Gefahren sie ausgesetzt sind. Reine Fischfresser wären bei einem Rückgang der Heringsbestände schnell im Nachteil. Die Wale, die sich Robben schmecken lassen, sind besonders anfällig für Schadstoffe, die sich in der Nahrungskette anreichern. Von Plastikmüll bleiben weder die Fisch- noch die Fleischfresser verschont.

„Es gibt Diskussionen darüber, was eine gesunde Population ausmacht“, sagt Marie Mrusczok: „Wir sind noch mit Zählen beschäftigt.“ Manche Veränderungen ihrer Umwelt können Orcas durchaus zu ihrem Vorteil nutzen, wie jüngste Beobachtungen aus der Tschuktschensee am Rand des Nordpolarmeers gezeigt haben. Aufgrund des zurückgehenden Meereises haben sich die Schwertwale dort neue Jagdgründe erschlossen. Auch bei den isländischen Orcas werden jedes Jahr neue Kälber erfasst.

Wenig Notiz davon nehmen bislang die Isländer selbst. Für ein Filmprojekt befragten Mrusczok und ihre Kollegen Bewohner des Inselstaats, was sie über Schwertwale denken. Viele Vorurteile haben sich gehalten. „Nicht wenige glauben immer noch, dass Orcas gefährlich sind und den Fisch vertreiben“, sagt Mrusczok. Deshalb will sie die Fischer noch stärker in ihre Arbeit einbeziehen und vermehrt an Schulen über Orcas informieren. Damit den Walen nie wieder ihr Ruf als Killer zum Verhängnis wird.

Weitere Themen

Io sono Carlo

Chef von Stone Island : Io sono Carlo

Für Carlo Rivetti ist alles Familie, auch die Firma. So ist er das Oberhaupt von Stone Island geworden, einer Marke, die ziemlich teuer ist – und auch ziemlich cool.

Topmeldungen

Das Kohlekraftwerk Mehrum im Landkreis Peine

Europas „Green Deal“ : EU will bis 2050 Klimaneutralität erreichen

Am Mittwoch will die EU ihren „Green Deal“ vorstellen, nach dem Europa bis 2050 klimaneutral werden soll. Voraussetzung ist der Kohleausstieg aller Länder. Für die vom Strukturwandel besonders betroffenen Regionen soll es Übergangshilfen geben.

Muhammad Bin Salmans Pläne : Der Ölprinz mit der Billion

Er ist jung und braucht das Geld: Der saudische Kronprinz Muhammad Bin Salman bringt den weltgrößten Ölkonzern Saudi Aramco an die Börse. Damit will er nicht nur das Land reformieren, sondern auch die eigene Macht sichern.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.