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Spam-Mails : Im Netz der bösen Jungs

  • -Aktualisiert am

Ein Comic in sechs Bildern Bild: Universal Uclick/Bulls

Jeder, der eine Emailadresse hat, findet Unerwünschtes in seinem Postfach. Verschickt von zwielichtigen Absendern, die auf krumme Geschäfte hoffen. Wer steckt hinter diesem Spam? Und was kann man dagegen tun?

          7 Min.

          Am Ende ist dieser Text doch noch angekommen. Wenn auch auf Umwegen. Der Autor hatte den Artikel pünktlich per Email (auch die Schreibweise „E-Mail“ ist noch gebräuchlich) in die Redaktion geschickt. Dort wartete man. Und wartete. Im Postfach tat sich nichts. Auch unter einer anderen Mailadresse nicht. Bis jemand auf die Idee kam: Vielleicht ist er im Spam gelandet? Und so war es. Der strenge Filter, „Mailmarshal“ genannt, hatte zugeschlagen und das Schreiben aussortiert. Vermutlich war er über Begriffe wie „Viagra“ und „Kontodaten“ gestolpert.

          Manchmal irren sich die Filter eben. Aber sie sind wichtig. Allzu oft erreicht einen sonst der letzte Schrott. So erging es vielen Brasilianern vor der Weltmeisterschaft: „Herzlichen Glückwunsch, Sie haben Tickets gewonnen!“, stand da in der Betreffzeile. Doch gewonnen hatten die Empfänger natürlich gar nichts. Sie konnten nur verlieren: Wer das Ticket herunterladen wollte, handelte sich einen Computer-Wurm ein. Der spionierte den Rechner des Opfers aus und sandte dessen Finanzdaten an die Hintermänner der Aktion. Spezialisiert war der Wurm auf Daten brasilianischer Banken.

          29 Milliarden Spam-Mails täglich

          Bei diesem Beispiel handelt es sich um typischen Spam. Die Sicherheitsfirma Symantec schätzt, dass täglich 29 Milliarden solcher unerwünschter Botschaften durch das Internet jagen. Anders ausgedrückt: Von drei verschickten Mails sind zwei Spam. Am häufigsten tauchen momentan gefälschte Benachrichtigungen von Banken auf. Diese Methode nennt sich „Phishing“, sie hat es auf Kontodaten abgesehen. Auf dem Rückgang ist Spam, der für nichtlizenzierte Pharmaprodukte wirbt – meistens für Viagra.

          Und wer erinnert sich nicht an die Emails nigerianischer Prinzen oder nahöstlicher Ölmogule? Das sind mittlerweile echte Klassiker: Die angeblich schwerreichen Absender versprechen dem Empfänger Millionenbeträge, dummerweise brauchen sie dazu aber erst mal selbst einige hundert Dollar. Das ist in Wahrheit ein uralter Trick, unter Kriminalisten Vorschussbetrug genannt, nur übertragen ins digitale Zeitalter.

          Jedem, der eine Emailadresse besitzt, flattert irgendwann Spam ins Postfach. Für die meisten ist das lästig. Nicht so für Tobias Knecht. Er freut sich über jede unerwünschte Nachricht. „In den vergangenen 24 Stunden haben wir knapp 220 Millionen Spam-Emails erhalten“, sagt er. Ein guter Wert, im Durchschnitt kämen etwas weniger als 200 Millionen zusammen. Knecht leitet die Firma Abusix, die sich darauf spezialisiert hat, möglichst viel Spam zu sammeln.

          „Harvester“ durchforsten das Internet nach Mailadressen

          Knecht benutzt sogenannte „Spamtraps“, also Emailadressen, die nicht der Kommunikation dienen, sondern exklusiv Spam anziehen sollen. Er plaziert die entsprechenden Mails so, dass normale Nutzer sie nicht finden. „Eine der ganz klassischen Geschichten ist weiße Schrift auf weißem Grund“, sagt er. Auf diese und andere Weise will er „Harvester“ anlocken. Das englische Wort für Erntemaschine steht im Internetjargon für Programme, die das Internet systematisch nach Mailadressen durchforsten. Weil Knecht die Adressen so ins Internet stellt, dass nur eine Maschine sie findet, weiß er: Alles, was bei ihm ankommt, ist Spam.

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