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Spam-Mails : Im Netz der bösen Jungs

  • -Aktualisiert am

Doch die Adresssammler fallen nicht auf jeden Trick herein: „Wir müssen den bösen Jungs unsere Daten so unterschieben, dass die denken, sie haben legitime Adressen“, sagt Knecht. Dazu mietet er auf der ganzen Welt Computerkapazitäten an. Ständen seine Fallen nur in einem einzigen Land, würden die Spam-Hintermänner Verdacht schöpfen. Außerdem würde ihm Spam durch die Lappen gehen, der nur in bestimmten Ländern kursiert. Das Geschäftsmodell von Knecht besteht darin, dass er die gesammelten Betrüger-Mails an Hersteller von Spamfiltern verkauft, die die Posteingänge ihrer Kunden abschirmen sollen. Manche Filter erkennen bestimmte Begriffskombinationen, die typisch für Spam sind, etwa „Angebot“ und „Penisverlängerung“. Andere suchen nach Internet-Links in den Emails, die auf schädliche Seiten verweisen.

Spam bildet die Ausnahme im Postfach

Alle Spamfilter haben eines gemeinsam: Immer wieder rutscht ihnen etwas durch. Darum brauchen die Hersteller viel Spam, um ihre Filter zu testen. Sie schicken die Emails von Knecht durch ihre Filter, prüfen, was durchkommt, und bessern nach. Dabei sind sie schnell: „Die kommerziellen Anbieter aktualisieren alle zehn Sekunden ihre Filter“, sagt Knecht, also fast in Echtzeit.

Wie gut die Filter sind, erkennt man daran, dass der Spam im Postfach mittlerweile die Ausnahme bildet – obwohl er doch eigentlich die Mehrzahl aller versendeten Emails ausmacht. Doch die bösen Jungs geben nicht auf. Genau wie die Filterhersteller werden auch sie immer professioneller. Es findet ein globales Wettrüsten statt. Hinter dem Spam ist ein Schwarzmarkt entstanden, den man nicht so leicht beobachten kann.

Studie untersucht Infrastruktur der Spam-Mails

Doch genau dieser Aufgabe hat sich der Informatiker Oliver Hohlfeld von der RWTH Aachen verschrieben. Vor kurzem hat er eine Studie veröffentlicht, bei der er die Akteure und ihre zwielichtigen Geschäfte nicht in Internetforen oder Chats verfolgt, sondern stattdessen ihre Infrastruktur unter die Lupe genommen hat.

Folgender Gedanke steckte dahinter: Wer Spam verschicken will, braucht Emailadressen, Rechenleistung und Inhalte der Emails. Die Emailadressen besorgen sich die Adresssammler mit Hilfe ihrer Harvester. Eine große Rechenleistung ist nötig, um Millionen Nachrichten in kurzer Zeit abfeuern zu können, bevor die Filter darauf reagieren. Diese Rechenleistung liefern sogenannte Botnetze. Bots sind Programme, die unbemerkt auf fremde Rechner eingeschleust werden. Die Besitzer merken normalerweise nichts davon. Botnetze können gewaltige Ausmaße annehmen, die größten unter ihnen kapern Millionen von Computern.

Oliver Hohlfeld wollte nun herausfinden, welche Verbindung zwischen Spammern, Adresssammlern und den Betreibern von Botnetzen, den Botmastern, besteht. Auch er stellte Spamfallen auf. Dabei konstruierte er seine Köder-Emailadressen so, dass sie nur ein einziges Mal abgerufen werden konnten. Weil sich ein Harvester automatisch zu erkennen gibt, sobald er in eine Falle tappt, wusste Hohlfeld, welcher Harvester welche Emailadresse eingesammelt hatte.

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