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Gentechnik : Mademoiselle C. und ihre Mikroben

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So elegant, so einfach: Die neue Erbgut-Schere Bild: Isabel Klett

Durch eine Labor-Revolution zur Nobelpreiskandidatin: Was treibt Emmanuelle Charpentier an? Der Versuch einer Annäherung.

          9 Min.

          „Welch eine Aufgabe! „Mein Kopf rauchte.“ Ihren Vortrag plötzlich auf Französisch zu halten, mit dieser Aufforderung hatte Emmanuelle Charpentier selbst am ehrwürdigen Institut de France in Paris nicht gerechnet. Die Überraschung war ihr anzumerken, als sie in ihrer Muttersprache fortfuhr und mit Bedacht über die „moderne Biologie“ redete. Zwar sollte sie hier in einem öffentlichen Seminar der Académie des Sciences sprechen, aber ihre detaillierten Lektionen, „learned from bacteria“, gibt die französische Forscherin üblicherweise in flottem Englisch. Dazu bekommt sie oft Gelegenheit: Charpentier gehört mit der Amerikanerin Jennifer Doudna zu den begehrtesten Rednerinnen der Szene. Beide gelten als zukünftige Nobelpreisträgerinnen, weil sie einen natürlichen Mechanismus zu einer Methode weiterentwickelt haben, die gentechnische Eingriffe erleichtert und inzwischen weltweit Verwendung findet. Crispr-Cas9 lautet der kryptische Name für etwas, das sich als eine molekulare Schere fürs Erbgut beschreiben lässt.

          Ein Werkzeug, das auch die Forschung in Charpentiers Arbeitsgruppe in der Vergangenheit schon hätte erleichtern können. Jetzt ist eines gefunden, das vergleichsweise einfach, kostengünstig und vielfältig in der Anwendung ist. „Das Erbgut von Bakterien, Pflanzen, Tieren und menschlichen Zellen lässt sich damit verändern, indem man etwa einzelne Gene herausschneidet“, sagt sie. Das gelingt nicht zum ersten Mal, aber präziser als je zuvor. Sogar einzelne DNA-Bausteine lassen sich entfernen. Spurlos. Das macht das neue Werkzeug mächtig. Und aus einem molekularen Abwehrmechanismus eine ungeheuer große Geschichte: Womit sich Bakterien sonst vor Viren schützen, wird fortan in Biotechnologie und Medizin genutzt, begleitet von ethischen Debatten. Die Methode wurde in China bereits an menschlichen Embryonen ausprobiert, bald sollen gentherapeutische Versuche an Krebspatienten starten. In den Vereinigten Staaten stehen ebenfalls klinische Studien an, um Krebs zu heilen.

          Emmanuelle Charpentier (links) und Jennifer Doudna erhalten eine Auszeichnung nach der anderen wie hier bei der Asturias-Preisverleihung 2015 in Spanien.
          Emmanuelle Charpentier (links) und Jennifer Doudna erhalten eine Auszeichnung nach der anderen wie hier bei der Asturias-Preisverleihung 2015 in Spanien. : Bild: dpa

          Diese „Revolution“ im Gebiet der Erbgutveränderung bringt den Forscherinnen Doudna und Charpentier im Monatsrhythmus hochdotierte Preise ein, führt sie mit Hollywoodstars über den roten Teppich oder zur Verleihung in die Frankfurter Paulskirche. Die eine blond, die andere dunkelhaarig mit charakteristischem Wuschelkopf, beide schlank und sportlich - selten zeigte sich Wissenschaft so attraktiv wie kompetent. Im März zum Beispiel in Paris. Hier vertraten sie Nordamerika und Europa, erhielten nebst drei Kolleginnen die diesjährigen „L’Oréal-Unesco for Women in Science Awards“. Die Veranstaltungswoche verlangte ihnen einiges ab, doch bewegte sich zumindest die 47-jährige Französin, die seit Oktober 2015 eine Direktorenstelle am Berliner Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie innehat, auf vertrautem Terrain.

          Von Paris direkt nach New York

          Emmanuelle Charpentier wuchs in der Nähe von Paris auf, in einem Elternhaus, in dem man sich für Politik, Religion und die Gewerkschaft engagierte. In der Hauptstadt studierte sie Mikrobiologie, Biochemie und Genetik, schloss 1995 ihre Doktorarbeit am Pasteur-Institut ab und wechselte in die Vereinigten Staaten. Nach New York zunächst, dann nach Memphis, gefolgt von Österreich, Schweden, Deutschland. Dass es nun keine leichte Aufgabe ist, ihre Forschung spontan auf Französisch zu präsentieren, liegt bei diesem Lebenslauf auf der Hand.

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