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Gentechnik : Berliner DNA

Die DNA ist nicht nur im Modell hübsch anzusehen, sie ist auch zum geflügelten Wort geworden. Bild: dpa

Im Koalitionsvertrag finden sich zwar wenig Impulse für die Gentechnik. Über DNA wird in Berlin dennoch viel geredet. Was man so alles in der DNA findet. Eine Glosse.

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          Die Gentechnik, das haben wir aus dem noch immer beargwöhnten Koalitionsvertrag leicht herauslesen können, wird auch künftig von Berlin aus keine Impulse erhalten. Für jene im Titel ausgerufene und auf 8355 Zeilen angerührte „neue Dynamik“ halten die Großkoalitionäre die Aufarbeitung digitaler Altlasten für vollkommen ausreichend. Das könnte sich rächen. Nein, es hat sich für einige schon gerächt. Denn die DNA, wer wüsste das nicht, ist aufs engste verknüpft mit Überlebensfragen und dem (auch politischen) Problem der Durchsetzungsfähigkeit. Sie ist übrigens auch eng verknüpft mit der Digitalisierung des Lebens und der Medizin und also eine potentielle Goldgrube, aber wen juckt das schon in Berlin. Stattdessen liebt man dort die lockere DNA-Pointe. Berlin ist gewissermaßen die Hauptstadt der DNA-Pointen.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Kendrick Lamar, der megahippe Rap-Barde, der trotz seiner schwarzen Hautfarbe gelegentlich auch als „Kung Fu Kenny“ daher und demnächst nach Berlin kommt, wird seinen bitterbösen Song auf die DNA („Sex, money, murder – our DNA“) vor einem bestens präparierten Publikum vortragen. Nehmen wir den Chef des gerade stattfindenden Berliner Filmfestivals, Dieter Kosslick. Er hat in einem Interview sein Plakat „Accept Diversity“ mit einem glasklaren Bekenntnis gegen Rassismus (und für die DNA) verteidigt: „Wenn ein Festival eine DNA dafür hat, dann die Berlinale.“

          AfD mit der DNA der alten CDU?

          Aus dem Jammertal der Berliner Christdemokratie seinerseits drang tagelang ein Klagelied, wonach die in den Groko-Verhandlungen verlorengegangene Finanzpolitik doch nun wirklich die DNA der Partei sei. Und ebenso nachhaltig wurden die Berliner Schicksalstage der Sozialdemokraten von ihresgleichen mit dem Hinweis aus Hannover angeheizt, die innere Sicherheit und speziell die Cyberkriminalität sei fest in der DNA der SPD angelegt. Das bringt die DNA der bayerischen Christsozialen natürlich zum Kochen. Erst recht jenes in der „Nürtinger Zeitung“ nachzulesende Bonmot baden-württembergischer AfD-Landtagsabgeordneter, wonach die AfD bereits jetzt „die DNA der früheren CDU hat“.

          Vorsicht, kann man da nur in der Tradition deutscher Anti-Gen-Reden entgegnen, Vorsicht im Umgang mit der DNA. Denn die DNA hört mit. In der Online-Zeitschrift „PlosOne“ haben japanische Wissenschaftler eindrucksvolle Daten geliefert, die jedenfalls nahelegen, dass die Aktivität der Gene auf dem DNA-Faden nicht nur chemisch (im Bauch) oder mit Licht (im Auge), sondern generell auch akustisch durch allzu laute Geräusche (Druck!), also mechanosensitiv, verändert werden kann. Was noch fehlt, ist die Antwort auf die Frage, wie die DNA das macht. Die werden wir mutmaßlich bald aus asiatischen oder amerikanischen Laboren erhalten. Leider nämlich ist der Sinn für die DNA nicht in der DNA dieser Koalition angelegt.

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