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Gentechnik : Eine bäuerliche Technikkultur

In Deutschland gibt es nur wenige Erprobungsflächen für Genpflanzen Bild: dpa

Zwanzig Prozent Wachstum: Die Grüne Gentechnik macht sich breit. Auch wenn das Gros der Pflanzen aus den Industrieländern kommt, scheint sie besonders in den Entwicklungsländern an Boden gutzumachen.

          Zuletzt sahen manche den Fortschritt schon im politischen Treibsand versinken. Die Grüne Gentechnik, von Wissenschaft und Industrie als Hoffnungsträger ins Erhabene gesteigert, fand partout keine Anerkennung im Land. Wenn es gutgeht, war unter dem Eindruck der Widerstände von Verbrauchergruppen und -ministerium zu hören, erleben wir eine kontinuierliche zwar, aber eine allenfalls schleichende, betuliche Hinwendung der Landwirtschaft zur Gentechnik.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Das mag für dieses Land gelten. Die neuesten Zahlen der Agentur „International Service for the Acquisition of Agribiotech Applications“ (ISAAA) jedoch, die wie in den zurückliegenden acht Jahren seit dem ersten Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen ihre jährliche Erhebung in Manila präsentierte, zeigen ein anderes Bild - zumindest für die Welt um uns herum. Denn das vergangene Jahr war für die Grüne Gentechnik global gesehen eines der erfolgreichsten.

          Eine grüne „Technowelle“

          Um zwanzig Prozent auf knapp 81 Millionen Hektar ist die Gesamtanbaufläche transgener Nutzpflanzen gewachsen. Rund 1,25 Millionen Landwirte mehr als noch ein Jahr davor - insgesamt 8,25 Millionen in siebzehn Ländern - greifen auf gentechnisch veränderte Sorten zurück, seien es Baumwoll-, Soja-, Raps- oder Maispflanzen. Anders als in Deutschland, wo die Gentechnik auf etwas mehr als zwei Dutzend kleine Erprobungsflächen beschränkt und durch ein neues Gentechnikgesetz an der kurzen Leine gehalten wird, geht in vielen und keineswegs nur den großen Agrarnationen offenbar eine grüne „Technowelle“ durchs Land.

          In Paraguay, Mexiko, Spanien und den Philippinen zum Beispiel wurden erstmals Anbauflächen transgener Pflanzen mit deutlich über 50.000 Hektar verzeichnet. Überhaupt scheint die Grüne Gentechnik besonders in den Entwicklungsländern Boden gutzumachen. Dort allein gab es eine Steigerung um 35 Prozent. Nahezu neunzig Prozent der Landwirte, die transgenes Saatgut verwenden, sind den Entwicklungs- und Schwellenländern zuzurechnen. An erster Stelle stehen dabei Nationen wie China, Indien, Argentinien, Brasilien sowie einige kleinere süd- und mittelamerikanische Länder.

          Gentechnisch veränderte Reispflanzen

          Immer noch aber kommt das Gros der transgenen Pflanzen aus den wenigen Industrieländern, die sich früh und offensiv dem biotechnischen Fortschritt verschrieben haben. Auf die Vereinigten Staaten allein entfallen mehr als 47 Millionen Hektar oder 59 Prozent der weltweiten Anbaufläche - elf Prozent mehr als 2003. Und Kanada mit heute knapp 5,4 Millionen Hektar steigerte den Anteil transgener Sorten massiv, um knapp 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Erwartungen von Clive James und seinen Mitarbeitern bei der ISAAA stellen freilich auch diese Zahlen in den Schatten. In fünf Jahren, sagte James in Manila, dürften schon mehr als 15 Millionen Landwirte auf 150 Millionen Hektar transgene Nutzpflanzen anbauen.

          Motoren seien Länder wie Brasilien oder Indien, die erst in den vergangen zwei, drei Jahren den Anbau einzelner Sorten begonnen und Wachstumsraten von 66 beziehungsweise 400 Prozent aufzuweisen haben. Einen Schub erwartet man auch, wenn China in diesem Jahr erstmals gentechnisch veränderte Reispflanzen zuläßt und damit eine der wichtigsten Nahrungspflanzen weltweit in den Sog der biotechnischen Erfolgswelle gerät.

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