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Genmais : Was der Bauer nicht kennt...

  • -Aktualisiert am

Von Genen ist nicht viel zu sehen. Bild: Matthias Luedecke

Die grüne Gentechnik ist in Deutschland ein Reizthema. Deshalb bleiben die Standorte der jüngsten Versuche mit Maispflanzen auch beinahe geheim.

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          Sachsen-Anhalt. Rund fünfzig Landwirte sitzen in der Dorfschänke. Sie warten auf den "Undercover"-Bauern. Vor ihnen türmt sich das übliche Informationsmaterial. Auch orangefarbene Tütchen mit Weingummis in Form von Notenschlüsseln liegen aus. Sie sollen für das "frühe Multitalent Amadeo" werben, eine der neuen Maissorten der Kleinwanzlebener Saat AG (KWS). Doch um die geht es heute abend gar nicht.

          Ärger um Geheimhaltung

          Es geht um Genmais. Ein Bauer im Dorf hat ihn probeweise angebaut. Weil aber jeder Freilandversuch mit Genpflanzen in Deutschland ein Politikum ist, soll der Ort der Versammlung so geheim bleiben wie der Name des Bauern.

          In der Dorfschänke sind deshalb auch nur geladene Gäste versammelt. Die KWS will zwar "lokale Transparenz" herstellen, aber überregional weiterhin Geheimhaltung betreiben. In diesem Jahr wurden schließlich schon Felder mit Genkartoffeln in Golm, mit Genweizen in Bernburg und mit Genmais in Nürtingen zerstört oder unbrauchbar gemacht (siehe "Bürger beobachten Petunien"). Bei den Gegnern der Anbauversuche stößt die Vorgehensweise der Firmen und Behörden verständlicherweise auf Unmut: Die Umweltorganisation BUND prozessiert bereits gegen die angebliche Geheimniskrämerei der Landesregierung von Sachsen-Anhalt.

          Lokale Akzeptanz

          In diesem Sommer entscheidet sich wahrscheinlich, ob in Deutschland künftig noch Gensaaten ausgebracht werden. An insgesamt dreißig Standorten wird Genmais zu Studienzwecken angebaut. Die Hersteller wollen herausfinden, wie weit Maispollen fliegen kann. Während die Firma Monsanto ihre Anbauflächen und die Bauern vollständig abschirmt, geht man bei der KWS den Weg der "Teiltransparenz".

          Zwar müsse man den Landwirt und seinen Betrieb leider schützen, sagt Georg Folttmann von der KWS. Vor Ort aber wüßten inzwischen mindestens zweihundert Menschen über den Versuchsanbau Bescheid: "Hier ist die Akzeptanz da." Und von den fünfzig Bauern im Saal käme ohnehin niemand auf die Idee, die Lage des hiesigen Feldes an die Aktivisten von Greenpeace oder Attac zu verraten.

          Von der Gentechnik zum Sonnensystem

          Der Schlagabtausch um die grüne Gentechnik tönt in der Dorfschenke im Herzen von Sachsen-Anhalt tatsächlich sehr gedämpft. Als das Bier auf dem Tisch steht, beginnt der erste Vortrag. Ein Herr vom Landwirtschaftsamt führt in das scheinbar zeitlose Thema "Gentechnik: Chance oder Risiko?" ein. Er hält die grüne Gentechnik für unverzichtbar und rechnet zwanzig Minuten lang anhand der Mendelschen Regeln der Vererbungslehre das Risiko des Pollenfluges in Nachbarfelder klein.

          Dann streift er kurz das Problem der Verwilderung von Kulturpflanzen: "Vor der Gentechnik sah da noch niemand ein Risiko." Am Ende zieht er sein sehr persönliches Fazit aus der Debatte: Der Fortschritt setze sich sowieso durch, und "das Sonnensystem verlassen wir auch irgendwann".

          Bakterien-Gen gegen Raupen

          Fragen zu diesem forschen Vortrag? Da die Bauern schweigend ihr Bier trinken, übernimmt die lokale Saatgutberaterin der KWS. Sie stellt den Feind aller Maisbauern im Bild vor. Die Raupen des Maiszünslers seien längst auch in Sachsen-Anhalt auf dem Vormarsch, mit konventionellen Methoden kein umfassender Schutz möglich.

          Anders beim Genmais. Dieser stelle sein Insektenschutzmittel dank eingebautem Bakterien-Gen im Stengel selbst her. Die bakterielle Erbanlage aus Bacillus thuringiensis (Bt) sei das "bestuntersuchte Gen" überhaupt, tödlich im Darm der Zünsler-Raupen, für Säugetiere dagegen völlig unbedenklich. Der Bt-Mais könne dabei nicht nur die Ernte vor den gefräßigen Larven schützen, sondern bei großflächigem Anbau sogar die Ausbreitung des Insekts in bisher nicht befallene Gebiete stoppen.

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