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Genetik : Tödliche Parasiten genetisch enttarnt

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Freßzelle (gelb) verschlingt Krankheitserreger Bild: J.Berger, P.Overath/MPI für Entwicklungsbiologie

Ein internationaler Forscherverbund hat das Erbgut von drei wichtigen Krankheitserregern entziffert, die jährlich Millionen von Menschen befallen. Die Parasiten haben offenbar einen gemeinsamen genetischen Kern. Ein Ansatzpunkt für wirksame Medikamente?

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          Auch wenn die wenigsten Menschen in den Entwicklungsländern je ihren Namen gehört haben, so gehören die drei stilettartig geformten Einzeller, deren Erbmaterial jetzt im Detail entziffert wurde, zu den gefürchtetsten Parasiten in den Tropen: Trypanosoma brucei, der Erreger der Schlafkrankheit, Trypanosoma cruzi, der die Chagas-Krankheit hervorruft, sowie der Verursacher der Leishmaniose, Leishmania major, der in dem nebenstehenden Foto von einem Makrophagen - einer Freßzelle des Immunsystems - verschlungen wird.

          Die Analyse aller drei Genomsequenzen wurde in der aktuellen Ausgabe der der Zeitschrift "Science" veröffentlicht. Vor einigen Jahren war die Genomentzifferung unabhängig voneinander mit drei Projekten gestartet worden. Zuletzt arbeiteten die annähernd 250 Autoren aus 21 Ländern unter dem Dach der "TriTryps"-Initiative zusammen. Ein auch in wissenschaftlicher Hinsicht sinnvoller Zusammenschluß, wie sich herausstellte. Denn die drei Parasiten gehören nicht nur zur selben Familie innerhalb der zoologischen Nomenklatur, den Trypanosomatidae, sie haben auch in molekularer Hinsicht große Gemeinsamkeiten.

          Mögliche Angriffsorte für Medikamente?

          Am prägnantesten ist ein Kern von ungefähr 6200 Erbanlagen, die in allen drei Genomen in nahezu derselben Reihenfolge auf den Chromosomen angeordnet sind. Die größten Unterschiede konzentrieren sich jeweils auf die Chromosomenenden. Interessant in medizinischer Hinsicht ist freilich der gemeinsame genetische Grundstock. Unter diesen Tausenden Genen sucht man jetzt nach Sequenzen, die sich von jenen des Menschen unterscheiden. Die Proteine, die daraus hervorgehen, sollten als mögliche Angriffsorte für Medikamente dienen. Bisher gibt es gegen die drei Krankheiten, von der Hunderte Millionen Menschen in Süd- und Mittelamerika, Asien und im südlichen Afrika bedroht sind, keine befriedigenden Wirkstoffe. Nur einige Zellgifte wirken, aber deren Nebenwirkungen sind beträchtlich.

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