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Genetik : Ein kleines Mammut darf's schon sein

  • Aktualisiert am

Das will doch nur spielen: Kehrt das Mammut zurück? Bild: Dieter Rüchel

Die Knochen des Neandertalers hat man bereits unter die Lupe genommen. Erbsubstanz lässt sich heute auch aus Haaren und Fell gewinnen. Steht die Auferstehung ausgestorbener Lebewesen bevor? Ein Gespräch mit dem Genetiker Stephan Schuster.

          Die Knochen des Neandertalers hat man bereits unter die Lupe genommen. Aber das ist noch nicht das Ende vom Lied: Erbsubstanz lässt sich inzwischen auch aus Haaren und Fell gewinnen. Was steht uns noch bevor? Ein Gespräch mit dem Genetiker Stephan Schuster.

          Herr Schuster, Sie tragen ein T-Shirt, auf dem ein Tasmanischer Tiger zu sehen ist. Das Tier ist seit 1936 ausgestorben. Was bedeutet es für Sie?

          Das Hemd ist ein Geschenk und erinnert an eines der Projekte meines Labors. Wir entschlüsseln gerade sein Erbgut, nachdem wir bereits die Mitochondrien-DNA gewonnen haben.

          Mammut nach den Vorstellungen des Künstlers Steven W. Marcus

          In den dreißiger Jahren konnte man noch keine Gewebeproben einfrieren und so für die Forschung der Zukunft konservieren. Mit welchem Material arbeiten Sie?

          Wir nutzen dafür zwei Museumsstücke: ein Alkoholpräparat und ein Fell.

          In solchen Präparaten würde man nicht gerade viel DNA vermuten, Chemikalien für die Gerbung schonen das Gewebe nicht gerade . . .

          . . . ja, aber unsere Experimente zeigen, dass es trotz der Konservierungsmethoden möglich ist, da wir die Haare für unsere DNA-Analyse zu nutzen. Und damit bekommen die Sammlungen der Museen eine ganz neue Bedeutung. In den Archiven liegen Abertausende Felle, Bälge und sonstige Exponate, die durch unsere Arbeit jetzt zugänglich werden.

          Sie nennen es „Museomics“. Eine Ehrenrettung für die vermeintlich verstaubten Archive?

          Mehr als das. Die Idee ist einerseits, von jedem Paradestück, an dem eine Spezies beschrieben wurde, einem Knochen etwa, dessen Fundgeschichte genau dokumentiert ist, noch die jeweilige Sequenz zu bestimmen. Wir wollen den Datensatz der Namensgeber ergänzen, etwa den Elefanten im British Museum.

          Und andererseits?

          In den Vereinigten Staaten haben wir gerade ein Treffen organisiert, um mit Unterstützung der Regierung mehrere Universitäten und Museen zu einem Großprojekt zusammenzufassen, das die Sammlungen genetisch charakterisieren soll. Schließlich wurden diese meist im 18. Jahrhundert gegründet und lassen sich nicht in alle Ewigkeit erhalten. Wenn wir jetzt bald anfangen, die Exponate auch zu sequenzieren, lassen sich wenigstens deren Erbinformationen bewahren.

          Gleichzeitig hoffen Sie, noch existierenden Tierarten zu helfen?

          Es ist durchaus vorstellbar, dass sich eine bedrohte Art wie etwa der asiatische Tiger vor dem Aussterben retten lässt, wenn wir im Museum seine bereits verlorene genetische Vielfalt finden. Bestimmte Varianten eines Gens könnten dann mittels Gentechnik und in speziellen Zuchtprogrammen wiederbelebt werden. Denn die beste Garantie für das Überleben einer Spezies ist ihre genetische Diversität. Dann kann sie auch einen sogenannten genetischen Flaschenhals überstehen. Nur deshalb konnte sich beispielsweise der Bestand der großen Wale erholen, nachdem sie der Mensch durch die Jagd fast ausgerottet hatte.

          Gibt es für die Diversität eine Untergrenze, die eine Tiergruppe zum Aussterben verdammt?

          Vermutlich, wir wollen herausfinden, wo dieses Limit liegt. Denn die Zahl der Tiere oder die Größe des Lebensraumes genügt nicht allein als Parameter.

          Für den Flussdelphin kommen Sie zu spät, der gilt als ausgestorben.

          Wir haben aber Proben und können wenigstens sein Erbgut retten.

          Auch der Tasmanische Teufel könnte jetzt Hilfe gebrauchen, seine Existenz wird durch eine infektiöse Krebsform bedroht, die in schätzungsweise zehn Jahren den Bestand ausgelöscht hat, wenn nichts passiert.

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