https://www.faz.net/-gwz-q0y6

Genanalyse : Vom Nutztier oder Wie das Schwein auf den Hund kam

  • Aktualisiert am

Fast ausgestorben: das Hallische Schwein Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Genanalysen zeigen, daß Schweine offenbar an verschiedenen Orten in Europa und Asien unabhängig voneinander domestiziert wurden. Was ergibt sich daraus über die Menschen und die Schweinezucht?

          Schweine wurden offenbar an verschiedenen Orten in Europa und Asien unabhängig voneinander domestiziert. Das zeigen Genanalysen, die eine Forschergruppe um Greger Larson von der University of Oxford an Wild- und Hausschweinen vorgenommen hat.

          Die genetische Information der Tiere stimmte dann am meisten überein, wenn sie aus demselben Gebiet stammten, berichten die Wissenschaftler in der Zeitschrift "Science" (Bd. 307, S. 1618). Kamen die Schweine dagegen aus verschiedenen Regionen, unterschieden sich die untersuchten DNS-Proben stärker voneinander.

          Vorfahren aus Europa

          Daraus schlossen die Forscher, daß die Menschen an mehreren Orten Wildschweine eingefangen und als Haustiere gehalten haben. Larson und seine Kollegen identifizierten sieben Regionen, in denen Schweine domestiziert wurden, darunter Mittelitalien, Indien, Thailand, China und Neuguinea.

          Als erstes ist das Wildschwein vor rund 9000 Jahren im Osten Anatoliens gezähmt worden. Die Genanalysen ergaben darüber hinaus, daß das europäische Hausschwein Vorfahren aus Europa hat. Bisher hatte man angenommen, daß die heutigen europäischen Nutzschweine aus dem Nahen Osten eingeführt wurden.

          Nur über die mütterliche Linie

          Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte das Gebiet des heutigen Deutschlands ein frühes Zentrum der Schweinezucht gewesen sein. Damit widersprechen die Forscher bisherigen Untersuchungen, nach denen es nur zwei unabhängige Domestikationen von Schweinen gab, nämlich im Nahen Osten und in Asien.

          Bei ihrer Studie stellten die Wissenschaftler außerdem fest, daß sich die Wildschweine wahrscheinlich von den südostasiatischen Inseln aus nach Asien und Europa ausgebreitet haben. Larson und seine Kollegen untersuchten von 686 Schweinen Erbmoleküle, die aus Mitochondrien stammten. Diese Zellorganellen werden nur über die mütterliche Linie vererbt. Ihre genetische Information eignet sich daher gut dazu, Verwandtschaftsverhältnisse von Tieren und langfristige Veränderungen der DNS zu erforschen.

          Ein fettreiches Nutztier

          Die Wissenschaftler entnahmen die Erbgutproben aus dem Kieferknochen oder den Zähnen heutiger Wild- und Hausschweine sowie aus Schweineknochen archäologischer Funde. Das Bild zeigt ein Hallisches Schwein. Diese Rasse entstand aus einer Kreuzung hiesiger Wildschwein-Nachkommen mit Chinesischen Maskenschweinen.

          Anfang der achtziger Jahre galt das Hallische Schwein als ausgestorben - ein solches fettreiches Nutztier war nicht mehr gefragt. Mittlerweile erholt sich der Bestand jedoch wieder.

          Weitere Themen

          Höllischer Schmerz

          FAZ Plus Artikel: Gürtelrose : Höllischer Schmerz

          Die neue Impfung gegen Gürtelrose zahlen jetzt die Kassen. Gut so, denn wer einmal unter der Infektion litt, wird das so schnell nicht vergessen. Die Infektion ruft heftige Nervenschmerzen bei den Betroffenen hervor.

          Topmeldungen

          Nach Unwettern : Verkehr in Teilen Deutschlands gestört

          Ein starkes Unwetter sorgt in Teilen Deutschlands für Störungen und Ausfälle im Bahnverkehr. Auch auf vielen Autobahnen gibt es massive Behinderungen. Am Frankfurter Flughafen wird die Abfertigung zwischenzeitlich eingestellt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.