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Bislang größte Gen-Studie : Die Kartierung der Schizophrenie

  • -Aktualisiert am

Zehntausende Patienten und Kontrollen gaben Blutproben ab. Bild: dapd

Ein internationales Forscherteam hat 108 Orte im Genom entdeckt, die mit der Entwicklung von Schizophrenie assoziiert sind. Die riesige Studie weckt nun die Hoffnung auf Entwicklung neuer Medikamente.

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          Wenn es die Neuroleptika noch nicht geben würde, dann könnte diese Gruppe von Psychopharmaka jetzt entwickelt werden – auf diese Formel bringen die Autoren einer in dieser Woche in der Zeitschrift „Nature“ erscheinenden Studie ihre Ergebnisse (doi:10.1038/nature13595). Forschungsgruppen aus vierzig Instituten weltweit – darunter mehreren deutschen – haben die bislang größte Untersuchung zur Genetik der Schizophrenie vorgelegt. Die Arbeit identifiziert 108 Genorte, die mit Schizophrenie assoziiert sind; 83 davon werden zum ersten Mal in einer wissenschaftlichen Arbeit genannt. Darunter ist auch eine Region im Genom, in der sich DRD2 befindet, das Gen für den Dopaminrezeptor D2, der Angriffsort der Neuroleptika ist. Neuroleptika, die man heute oft „Antipsychotika“ nennt, wurden erst in den fünfziger Jahren per Zufall für die Psychiatrie entdeckt. Nun wird auch durch eine genomweite Assoziationsstudie zweifelsfrei bestätigt, dass Neuroleptika an entscheidenden Punkten ansetzen, die Schizophrenie-Patienten von Gesunden unterscheiden .

          Für die Studie haben die insgesamt 388 Autoren 150000 Datensätze in einem Pool vereint, sie stammten von fast 37000 Schizophreniekranken und 113000 gesunden Kontrollen, die Blutproben abgegeben hatten. Mit Hilfe von „Genotyping Platforms“ ermittelten die Forscher für jeden Probanden eine Million variable Stellen im Genom, die in Form von SNPs (Single Nucleotide Polymorphisms), also als Variationen einzelner Basenpaare im DNA-Strang, augenfällig werden.

          Unterschiede zwischen Gesunden und Kranken

          Auch in der Normalbevölkerung bestehen aufgrund von Mutationen Unterschiede an bestimmten Genorten (Loci). Durch statistische Methoden kommen die Wissenschaftler bei genomweiten Assoziationsstudien wie der aktuellen schließlich zu Aussagen. „Man sucht nach signifikanten Unterschieden zwischen gesunden und kranken Gruppen“, erklärt Erstautor Stephan Ripke vom Stanley Center for Psychiatric Research, das am Broad Institute in Cambridge, Massachusetts, angesiedelt ist, einer Forschungseinrichtung, die zugleich dem Massachusetts Institute of Technology und der Harvard University angehört.

          Seit dem Jahr 2011 haben die Forscher, die sich 2007 innerhalb des damals gegründeten internationalen Psychiatric Genomics Consortium (PCG) in einer Schizophrenie-Arbeitsgruppe zusammenschlossen, regelmäßig über erste entdeckte „Hits“ publiziert. In diesen Studien ging es jedoch zunächst nur jeweils um etwa fünf bis fünfzehn Assoziationen im Genom. Etwa dreißig mit Schizophrenie assoziierte Loci waren bis zur Veröffentlichung der großen aktuellen Studie identifiziert worden.

          Synaptische Plastizität betroffen

          „Die Genorte, die wir gefunden haben, sind breite Regionen“, sagt der Mediziner Ripke. „Bei vielen kann man nicht klar sagen, um welches Gen genau es sich handelt. Wenn man sich das Genom als Buch vorstellt, müsste man sagen, dass wir zu dem Satz hinzeigen können, aber nicht zu dem einzelnen Wort, um das es geht.“ Anders ist das etwa bei DRD2, hier ist die Lage eindeutiger: „DRD2 ist sozusagen ein Ein-Wort-Satz“, so Ripke.

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