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Foresight Filmfestival : So sieht die Welt in 15 Jahren aus

Szene aus dem Film „Malu“ von Felix Brokbals, der in der Kategorie „Post Privacy“ auf dem Foresight Filmfestival gewonnen hat Bild: Felix Brokbals / science2public / Foresight Filmfestival

Die Wissenschaft will es wissen und geht immer häufiger auf die Kunst zu. So wurde das Foresight Filmfestival ins Leben gerufen. Wir zeigen und beurteilen die drei Gewinnerfilme.

          Es geht hier um die Zukunft. Und das im Auftrag der Regierung. Das Bundesforschungsministerium hat den sogenannten „Foresight“-Prozess initiiert. Teilnehmer sollen die Techniktrends der kommenden zehn bis fünfzehn Jahre aufspüren. Damit die Ideen der Forscher in geordneten Bahnen laufen hat man drei Kategorien aufgestellt: Selbstoptimierung durch Selbstvermessung, intelligente Automaten als Lebensbegleiter, Big Data und Verlust der Privatheit.

          Damit die Gesellschaft von den Arbeiten der Wissenschaftler erfährt und profitiert, und dieser beweisen können, dass man sich konkret mit ihr beschäftigt, hat das Bundesforschungsministerium das Foresight Filmfestival ins Leben gerufen. Am Donnerstagabend hat die Veranstaltung unter dem Titel „Science meets Vision“ das erste Mal stattgefunden. Sowohl eine Jury als auch die Zuschauer stimmten in den genannten drei Kategorien „Selbstoptimierung“, „Künstliche Intelligenz“ und „Post Privacy“ ab. Wir zeigen und stellen die drei Gewinnerfilme vor.

          Kategorie Selbstoptimierung: „sry bsy“

          Die Kurzfilmer beschäftigten sich mit dem Thema „Das quantifizierte Ich“ und mit der Frage „Wie erfolgreich, schön, glücklich und gesund kann man sein?“ Gewonnen hat Verena Westphal von der HAW Hamburg mit ihrem 2D-Animationsfilm „sry bsy“. Die Filmemacherin nennt selbst Schlagworte wie „Zeit-, Leistungs- und Optimierungsdruck“, „Beschleunigungs- und Steigerungslogik in kapitalistischen Gesellschaftssystemen“ oder „Burnout-Syndrom“ und verweist zugleich auf das Buch „Zeitwohlstand“ und den Dokumentationsfilm „Speed“ als Inspirationsquelle.

          Der Film arbeitet gestalterisch als auch narrativ mit sehr einfachen Mitteln. Während die Protagonistin an ihrem Computer schon sichtlich ermüdet vor sich hin arbeitet, kann der Zuschauer beobachten, wie zunehmender Stress, mangelnde Ernährung und ungesunde Sitzhaltung dazu führen, dass die Frau körperlich und psychisch leidet. Je größer die Strapazen und Qualen sind,  desto mehr wächst der Stapel mit den Dokumenten, die sie abarbeiten muss.

          Leider verrät der Film etwas zu früh, dass die Protagonistin unter einem Burnout-Syndrom leidet. Es ist allzu offensichtlich, dass diese Situation zu eine Kollaps führen wird. Die Animationen, wie sie sich anfangs Wasser und später Espresso intravenös zuführt, hat Westphal mit Liebe zum Detail gestaltet, und sie ist in ihrer Bildsprache auch konsequent geblieben. Doch was der Protagonistin passiert, überrascht nicht. „Espresso intravenös einführen“ dürfte man schon als Spruch gehört haben. Dass es nun jemand in einem Animationsfilm wirklich macht, führt weder zu einem Erkenntnisgewinn, noch ist es ein filmisches Erlebnis.

          Als sie sich den Bauch aufschneidet, um ihr Essen ohne Umwege direkt einzunehmen, oder sie sich den zuckenden Finger abhackt, um ihn durch einen Löffel zu ersetzen, wagt Westphal filmisch mehr. In diesem Momenten entfernt sich der Film von den üblichen Assoziationen, die ein Zuschauer haben könnte, wenn er über das Thema „Burn-out“ nachdenkt. Man hätte sich mehr von diesen Szenen gewünscht und weniger von den erwartbaren Visualisierungen menschlicher Überfordertheit. Ganz an Schluss kommt es zu einer überraschenden Wende. Die statische Kamera verlässt ihre Perspektive und entlarvt den Zuschauer als weiteres Opfer dieser „Beschleunigungs- und Steigerungslogik in kapitalistischen Gesellschaftssystemen“ - wie es die Filmemacherin wohl selbst nennen würde.

          Kategorie Künstliche Intelligenz: „080“

          In der Ausschreibung wurden Kurzfilme verlangt, die „die Arbeitswelt von Morgen“ in Zusammenhang mit Computern, Robotern und menschlicher Kreativität behandeln. Der Gewinner in dieser Kategorie ist Stefan Poßner. Er kommt von der Kunsthochschule Burg Giebichenstein. Sein Anspruch sei es, „philosophische sowie ethische Prämissen aufzuarbeiten“, schreibt er. Dabei spart Poßner in seiner Beschreibung nicht mit theoretisch belasteten Aussagen wie diese: „Doch wie mit Tieren, so maßen wir uns auch bei artifiziellen Entitäten an, sie in unser Raster zu zwängen und ordnen diese unseren Bedürfnissen unter.“

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