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Apps für die Kleinsten : Wenn schon das Baby wischt

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Selbst Kleinkinder sind vom Wischen auf dem Touchscreen begeistert. Welche Folgen das auf ihre Entwicklung hat, ist allerdings unklar. Und manchmal sickern vorschnelle Meldungen durch.

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          Apps, jene kleinen Programme, die uns durch die Welt stolpern lassen, weil der Blick ständig auf das Smartphone oder Tablet geheftet ist, diese kleinen Computersüchtigmacher ziehen längst auch die Kleinsten in ihren Bann. Mal schieben die Kinder mit dem Finger Urwaldtiere in die passenden Schablonen, mal spielen sie Musikinstrumente oder fahren bunte Autos. Auch die Eltern sind euphorisch: "Mein fünfzehnmonatiger Sohn liebt seine App!", liest man in den sozialen Medien oder "endlich mal ein ruhiges Spiel schon für die ganz Kleinen!" Schon 93 Prozent der bis zu vier Jahre alten Kinder wischen auf dem Smartphone oder Tablet herum, ergab eine Befragung von 370 amerikanischen Eltern im Jahr 2014.

          Weg vom Bildschirm!

          Stellt sich allerdings die Frage: Wie wirkt sich das Wischen auf dem Touchscreen auf das Lernverhalten und die soziale Entwicklung der Kinder aus? Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt, Kinder unter drei Jahren von sämtlichen Bildschirmen fernzuhalten. Auch die amerikanische Akademie für Kinderheilkunde unterstützt diesen Rat für Kinder unter zwei Jahren. Und im Januar warnte das Boston Medical Center in einem Review, es könne für die soziale und emotionale Entwicklung des Kindes schädlich sein, wenn Eltern das Smartphone als Ablenkungs- und Beruhigungsspielzeug, also als "Shut-up Toy", nutzten.

          Da sickert eine positive Meldung durch die englischen Medien und das weltweite Netz. "Kinder lernen mit Tablets schneller als mit Büchern." Am besten gebe man den Kindern von Geburt an ein Tablet in die Hand. Endlich eine konstruktive Botschaft, dachten vermutlich einige Eltern. Doch kaum aufgeblasen, platzt die Blase auch schon wieder. Die zitierte Psychologin erklärte auf Anfrage, eine Studie mit Kleinkindern im Alter von sechs Monaten bis drei Jahren sei erst in der Planungsphase, Ergebnisse gebe es noch gar nicht. Die vermeintlich gute Botschaft wird dennoch weiter durch das Internet geistern. Bis es wirklich aussagekräftige Ergebnisse gibt, werden Eltern wohl noch ein wenig warten müssen - und Wartezeit verbringen viele von ihnen ja gerne mit den kleinen Progrämmchen.

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