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Fledermäuse „on tour“ : Lieber eine Flugreise statt Winterschlaf

  • -Aktualisiert am

Eine Blütenfledermaus auf Nahrungssuche: Am liebsten nascht sie von stacheligen Pflanzen. Bild: Getty

Für ihre Wanderungen in die Winterquartiere benötigen Fledermäuse genügend Proviant. Als Nahrung bevorzugen manche Arten süßen Nektar statt Insekten.

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          Blumen, die sich von Bienen oder Kolibris bestäuben lassen, locken ihre Gäste mit bunten Farben. Blüten, die ihren Nektar für Fledermäuse bereithalten, signalisieren dagegen mit ihrer Form, wo eine süße Mahlzeit winkt. Doch wie setzen Fledermäuse ihre Echoortung ein, um Nektarquellen aufzuspüren? Wissenschaftler um Tania Gonzalez-Terrazas von der Universität Ulm und Hans-Ulrich Schnitzler von der Universität Tübingen haben das kürzlich erstmals beobachten können. Gemeinsam mit Kollegen aus den Vereinigten Staaten, Mexiko und Panama fanden sie heraus, dass Blütenbesucher ihre Nahrungsquelle recht ähnlich orten wie jene Fledermäuse, die Insekten fangen.

          Als Forschungsobjekt diente die Kleine Mexikanische Blütenfledermaus (Leptonycteris yerbabuenae), die gern die Blüten des Säulenkaktus Pachycereus pringlei besucht. Oft mehr als zehn Meter hoch, prägt dieser Kaktus vielerorts die Landschaft der mexikanischen Sonora-Wüste. Den für wissenschaftliche Zwecke kurzzeitig eingefangenen Fledermäusen wurden freilich nur handliche Zweige der riesigen Kakteen präsentiert. Sie trugen entweder eine geöffnete Blüte oder eine halbkugelige Schale aus Kunststoff. Wie die Forscher in der Online-Zeitschrift „Plos One“ (doi: 10.1371/journal.pone. 0163492) berichten, näherten sich die Fledermäuse zunächst auch dieser künstlichen Blume. Doch statt ihre Schnauze in die Kunststoffschale zu stecken und von dem dort bereitgestellten Zuckerwasser zu naschen, drehten sie frühzeitig ab.

          Der Lieblingsnektar kommt von stacheligen Kakteen

          Vor der sicher wohlvertrauten Kaktusblüte verharrten die Fledermäuse hingegen im Schwirrflug, um sich am Nektar zu laben. Die Annäherung verlief stereotyp: Letztlich wurden die trichterförmigen Blüten stets in etwa demselben Winkel angesteuert, und zwar immer von unten. Vermutlich erzeugten die Fledermäuse dadurch jedes Mal recht ähnliche akustische Bilder und fanden deshalb schnellstmöglich den Zugang zum Nektar. Je näher sie mit ihrer Echoortung ans Ziel herankamen, desto kürzer wurden die Intervalle zwischen ihren Ortungslauten. Die letzten zehn bis zwanzig Ultraschallrufe ertönten in Abständen von nur noch zehn Millisekunden.

          Bisher waren derart eng getaktete Rufe - oft als „terminal buzz“ bezeichnet - bloß von Fledermäusen bekannt, die fliegende Insekten erbeuten. Schließlich gilt es mobile Beute zeitnah und exakt zu lokalisieren, um erfolgreich zuschnappen zu können. Zielsicher zur Mahlzeit vorzustoßen, empfiehlt sich aber auch bei Kaktusblüten: Wer dort auf Anhieb korrekt einparkt, vermeidet den Kontakt mit gefährlich spitzen Dornen.

          Eine Blütenfledermaus im Flug: Orientierung per Ultraschall.
          Eine Blütenfledermaus im Flug: Orientierung per Ultraschall. : Bild: dpa

          Ob sich die Fledermäuse von Blüten weniger wehrhaften Pflanzen ein ebenso detailliertes Bild verschaffen, bleibt eine offene Frage. Als tierische Probanden mochten sie die angebotene Plastikblume nur flüchtig aus der Ferne erkunden. Womöglich vermissten sie die typische, leicht muffige Duftnote, die Fledermausblumen gewöhnlich eigen ist. In freier Natur besucht die Kleine Mexikanische Blütenfledermaus nachweislich nicht nur Kakteen, sondern zum Beispiel auch die Blütenstände von Agaven. Je nach Region und Jahreszeit dürfte sie recht unterschiedliche Nektarquellen vorfinden. Zumal sich diese in Mexiko und Mittelamerika heimische Fledermausart als durchaus mobil erweist. Im Sommer dringt sie bis in Wüstengebiete der Vereinigten Staaten vor, im Herbst zieht sie sich dann wieder nach Süden zurück.

          Große Lungen für viel Ausdauer

          Weite Wanderungen statt Winterschlaf, das ist auch die Strategie der Eisgrauen Fledermaus (Lasiurus cinereus). Wie dieser Vertreter der Glattnasen seinen Körper für Langstreckenflüge umrüstet, haben kanadische Wissenschaftler um Liam McGuire von der University of Western Ontario in London studiert. Statt wie manche Vögel ihr Herz und ihre Flugmuskeln zu vergrößern, bauen die Fledermäuse ihre Lunge aus. Wahrscheinlich, so schreiben die Forscher im „ Journal of Experimental Biology“, müssen Vögel auf diese Option verzichten, weil ihre relativ starre Lunge keinen raschen Umbau erlaubt (doi: 10.1242/jeb.072868).

          Anders als bei Zugvögeln zeigen sich bei wandernden Fledermäusen auch prägnante Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Die Männchen der in Nordamerika weit verbreiteten Eisgrauen Fledermaus verbringen den Sommer meist in den Gebirgen im Westen, während die Weibchen den Osten des Kontinents bevorzugen. Im Herbst, auf dem Weg nach Mexiko oder Südkalifornien, treffen und paaren sie sich. Die Entwicklung des Embryos wird dann so lange hinausgezögert, dass die Geburt erst stattfindet, wenn die Fledermausweibchen wieder in ihrem Sommerquartier angekommen sind.

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