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Faultier : Bloß keine Hektik

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Der Abstieg kann das Leben kosten

Gar nicht so einfach ist es, wenn Faultiere für Nachwuchs sorgen wollen. Einerseits bewegen sie sich auch dazu nur zögernd fort. Hinzu kommt, dass die Tiere ziemlich kurzsichtig sind und schlecht hören. Dafür ist ihr Geruchssinn stärker ausgeprägt. Die Männchen verfolgen die Weibchen ganzjährig, denn da der Regenwald keine Jahreszeiten kennt, gibt es auch keine Paarungszeit. Hierin ähneln die Faultiere also durchaus dem Menschen. Die Weibchen durchlaufen Zyklen zwischen dreißig und sechzig Tagen, während derer sie für ein paar Tage fruchtbar sind. Die Männchen haben sogar einen eigenen Paarungsruf. Sie schreien „ai“, berichtet Heuer. „Mit dem Paarungsakt sind sie relativ flink fertig: nach zwanzig Sekunden.“ Heuer selbst hat bisher kein Männchen rufen hören. „Leider ist es gar nicht so leicht, für Nachwuchs im Zoo zu sorgen. In Halle hat es zehn Jahre gedauert.“

Nicht immer lag der Lebensraum der Tiere in den Wipfeln der Bäume. Fossil überlieferte Arten lebten am Boden, zuweilen in einer unglaublichen Vielfalt. Einige hundert Arten waren über den gesamten amerikanischen Kontinent verteilt, von der Antarktis bis hoch nach Alaska, berichtet Eli Amson vom Institut für Morphologie und Formengeschichte an der Humboldt-Universität Berlin. Ihre Körperform legt nahe, dass einige im Boden nach Wurzeln gegraben haben. Forscher vermuten, dass sie sich ähnlich wie Gürteltiere mit Knochenplatten in der Haut vor Feinden schützten.

Probier's mal mit Gemütlichkeit

Paläontologen haben sogar ein fossiles Riesenfaultier gefunden. Megatherium war vier Tonnen schwer, so groß wie ein Elefant und bewegte sich wie ein Gorilla fort. Dieses und andere am Boden lebende Faultiere sind erst am Ende der jüngsten Eiszeit ausgestorben. Vermutlich wurden die Tiere nicht nur von Säbelzahnkatzen wie dem Smilodon gejagt, sondern auch vom Menschen. Zusätzlich könnten klimatische Veränderungen für das Ende ihrer Art gesorgt haben. Auch heute sind zwei Faultierarten vom Aussterben bedroht, darunter das Zwerg-Dreifingerfaultier und das Kragen- oder Mähnen-Dreifingerfaultier. Ersteres lebt in den Mangroven auf einer kleinen Insel vor der Küste Panamas, während das Kragen- oder Mähnen-Faultier in den atlantischen Küstenwäldern im östlichen Brasilien heimisch ist. Beide stehen auf der Roten Liste des Washingtoner Artenschutzabkommens und können daher von Privatpersonen nicht legal erworben werden. Um die Populationen zu unterstützen, haben Tierschützer in den brasilianischen Wäldern eigens Baumkorridore angelegt, die verschiedene Gebiete miteinander verbinden. So müssen die Tiere nicht den gefährlichen Weg nach unten nehmen, um auf Artgenossen zu treffen. Wissenschaftler hoffen, dass auf diese Weise die genetische Vielfalt erhalten bleibt.

Der Schauplatz für das Faultier Flash in „Zoomania“ ist nicht der Urwald, sondern eine Kraftfahrzeugzulassungsstelle. Sehr zum Leidwesen der hektisch veranlagten Häsin Judy, die dort einen Behördengang hinter sich bringen muss. Flash hat alle Zeit der Welt. Judy ist vor Ungeduld schon nach wenigen Augenblicken am Rande des Wahnsinns angekommen. Die Sympathie der Zuschauer liegt in diesem Moment eindeutig auf Seiten des Behördenvertreters. Denn warum sollen Mitarbeiter sich eigentlich immer am Limit abrackern? Man solle sich an Flash ruhig ein Beispiel nehmen, findet die Autorin Susanne Reinker. Unter dem Titel „Die Faultier-Strategie“ hat sie einen Ratgeber geschrieben, der zeigt, wie man gut getarnt durch den Alltag kommt und im Job eine gute Figur macht, ohne sich wirklich anzustrengen. Solche Tipps sind natürlich immer wohlfeil. Aber eines kann man sich tatsächlich bei den Tieren abschauen: Ihr ruhiges Gemüt macht sie außerordentlich sozialverträglich. Das ist eine gute Voraussetzung, um sich ein großes Netzwerk aufzubauen.

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